Stand: 30.08.2018 18:37 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Befangenheitsantrag verzögert EWE-Prozess

Der frühere EWE-Chef Matthias Brückmann klagt gegen seine fristlose Kündigung und verlangt 6,6 Millionen Euro.

Seit Januar wird vor dem Landgericht Oldenburg der Zivilprozess um den Rauswurf des früheren EWE-Chefs Matthias Brückmann verhandelt. Ein Ende in diesem Jahr ist nicht absehbar. Für erneute Verzögerungen sorgt nun ein Befangenheitsantrag gegen den Richter. Brückmanns Anwalt Bernd-Wilhelm Schmitz verwies auf Dokumenten über die EWE-Spendenpraxis seit 2013, die der Oldenburger Energiekonzern nicht vorgelegt habe. Der Richter müsse EWE dazu bringen, die Dokumente vorzulegen bevor Zeugen vernommen werden, sagte Schmitz am Donnerstag. Andernfalls "kann hier überhaupt keine Beweisaufnahme stattfinden", so Brückmanns Anwalt.

"In diesem Jahr wird das nichts mehr"

Über den Befangenheitsantrag muss nun die zuständige Kammer des Landgerichts entscheiden. Der Prozess wird sich damit weiter in die Länge ziehen. "Das wird noch lange dauern. In diesem Jahr wird das nichts mehr", sagte der Vorsitzende Richter.

Früherer EWE-Chef fordert 6,6 Millionen Euro

Brückmann war im Februar 2017 wegen "einer Vielzahl diverser grober Verfehlungen" mit sofortiger Wirkung aus seinem Amt und dem Unternehmen entlassen worden. Unter anderem ging es um eine Spende von 253.000 Euro an eine Stiftung des Ex-Boxweltmeisters Wladimir Klitschko. Brückmann hatte die Summe im Jahr 2016 überweisen lassen. Und das, obwohl er kurz zuvor selbst strengere Spenden- und Sponsoring-Regeln im Unternehmen eingeführt hatte. Vor Gericht will Brückmann erreichen, dass seine Kündigung für unwirksam erklärt wird und EWE ihm die ausstehenden Gehälter zahlt. Nach Angaben von Brückmanns Anwalt Schmitz geht es um eine Forderung von insgesamt 6,6 Millionen Euro.

Ermittlungen wegen Anfangsverdacht der Untreue

Trotz des Befangenheitsantrags ist der Prozess am Donnerstag nach einer Unterbrechung weitergegangen. Ehemalige und aktuelle EWE-Führungskräfte wurden dabei zur früheren Spendenpraxis des Konzerns befragt. Darunter war auch Vorstandsmitglied Michael Heidkamp, der bei der umstrittenen Klitschko-Spende nach Brückmann die zweite Unterschrift leistete. Er betonte, dass er davon ausging, dass es sich um Sponsoring handelte. Warum er das tat, obwohl auf dem Dokument von "Spende" die Rede war, erklärte Heidkamp nicht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Brückmann und Heidkamp wegen des Anfangsverdachts der Untreue.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 30.08.2018 | 17:00 Uhr

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