Stand: 01.07.2020 21:01 Uhr

Airbus: Das Feilschen um die Jobs hat begonnen

Flaggen wehen vor dem Airbus-Werk in Finkenwerder. © picture alliance/dpa Foto: Hartmut Reeh
Wie geht es weiter bei Airbus in Norddeutschland? Viele Jobs sind in Gefahr. (Archiv)

Wenn das Kurzarbeitergeld auf zwei Jahre verlängert werde, könne Airbus in Deutschland 1.500 der 5.100 gefährdeten Jobs in der Verkehrsflugzeugsparte erhalten. Das sagte Airbus-Produktionschef Michael Schöllhorn am Mittwoch in einer Telefonkonferenz mit Medienvertretern. Staatliche Forschungsgelder für die Entwicklung umweltfreundlicherer Flugzeuge könnten weitere 500 Stellen sichern, so Schöllhorn.

VIDEO: Stellenstreichungen bei Airbus: Beschäftigte in Sorge (2 Min)

Keine betriebsbedingten Kündigungen?

Am Dienstag hatte der europäische Flugzeugbauer mitgeteilt, dass wegen des Geschäftseinbruchs durch die Corona-Krise weltweit etwa 15.000 Stellen wegfallen werden. 5.100 Stellen sollen alleine in Deutschland gestrichen werden. Der angekündigte Jobabbau trifft nach Angaben von Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) alle norddeutschen Standorte. Die Konzernleitung habe signalisiert, möglichst keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen, sagte Althusmann am Mittwoch in Hannover.

Offenbar keine kompletten Schließungen geplant

Geprüft werden sollen Vorruhestands- und Kurzarbeitsregelungen sowie flexible Arbeitszeitmodelle, um Airbus über die Krise zu helfen, so Althusmann. Bisher sollen keine Werksschließungen im Gespräch sein, wie etwa in den 1990er-Jahren, als das Werk Stade davon bedroht war. Nach Informationen von NDR 90,3 steht im Werk Finkenwerder mehr als jeder sechste Job auf der Kippe. In Norddeutschland gibt es Werke in Stade, Nordenham, Varel, Buxtehude, Bremen und Hamburg-Finkenwerder

46.000 Mitarbeiter in Deutschland

Die Pläne sollen bis Sommer 2021 umgesetzt werden. Airbus beschäftigt in Deutschland nach eigenen Angaben etwa 46.000 Mitarbeiter an fast 30 Standorten. Der Konzern erwartet, dass sich der Luftverkehr nicht vor 2023 von der Corona-Krise erholen wird. Eventuell werde erst 2025 wieder das Niveau von vor Corona erreicht sein. Im Stader Airbuswerk ist derzeit fast die Hälfte der 2.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit.

IG Metall warnt vor Kahlschlag

Die Gewerkschaft IG Metall warnte angesichts der geplanten Streichungen vor einem Kahlschlag. "Weder Airbus noch die gesamte Luftfahrtbranche können sich angesichts einer solchen Herausforderung den Abbau Tausender Fachkräfte leisten, die noch vor der Krise händeringend gesucht wurden", sagte ein Sprecher. Vom Konzernbetriebsrat hieß es: "Beim geplanten Stellenabbau geht es nicht um die Bewältigung der aktuellen Krise, sondern um den schon lange geplanten Umbau des Unternehmens."

Weitere Informationen
Ein Airbus A319 wird in Hamburg-Finkenwerder montiert. © dpa

Gewerkschaft warnt Airbus vor Kahlschlag

Die Gewerkschaft IG Metall appelliert an Airbus, Stellen maßvoll abzubauen. Wegen der Corona-Krise will der Flugzeugbauer allein in Deutschland rund 5.100 Arbeitsplätze streichen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 01.07.2020 | 08:00 Uhr

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