Agrarministerin: "Mit Kuh-Tourismus muss Schluss sein!"

Stand: 29.04.2021 15:25 Uhr

Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) will den Tierschutz bei Tiertransporten rigoros sicherstellen. Das kündigte sie am Donnerstag im Niedersächsischen Landtag an.

Sie stelle sich damit an die Seite der Amtstierärzte, sagte Kinast. Wenn es erhebliche Zweifel daran gebe, wie mit den Tieren auf der Tour umgegangen wird, müsse das ein Ende haben. "Entsprechende Transporte werden wir konsequent untersagen", so die Ministerin. Anlass war der geplante Transport von rund 30 Kühen über Aurich nach Marokko. Sie stammen ursprünglich aus Bayreuth und stehen aktuell in Niedersachsen. Genau diese Tortur kritisiert die Politikerin: Die Tiere müssten einen Umweg von mehr als 1.000 Kilometern auf sich nehmen und würden zusätzlich belastet. Otte-Kinast: "Der Lkw hätte direkt in Bayern abgefertigt werden müssen."

Ministerin teilt Watschn nach Bayern aus

Die Ministerin will nun prüfen lassen, ob die Abfertigung der bayerischen Tiere in Niedersachsen verweigert werden kann. Das Ziel sei, dass bayerische Tiere künftig vor Ort abgefertigt werden. Sie teilte außerdem eine Watschn in Richtung des Bayerischen Umweltministers Thorsten Glauber (Freie Wähler) aus und forderte: "Schluss mit dem Kuh-Tourismus!" Angebliche Unterstellungen bayerischer Behörden, die Niedersachsen als eine Art Schlupfloch bezeichnet hatten, wies sie gleichzeitig zurück. Im Januar erst hatte Niedersachsen erlassen, dass keine Tiertransporte abgefertigt würden, wenn es Anhaltspunkte für ein Verletzen der europäischen Tierschutztransportverordnung gebe. Ein Erlass, der geltendes Recht umsetzen soll.

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Prüfungen mit "doppeltem Sicherheitsnetz"

Zuständig für die Abfertigung langer Tiertransporte sind grundsätzlich die Veterinärämter der jeweiligen Kommune. Dabei prüfen die Behörden jeden Tiertransport in Drittländer darauf, ob er gegen die Gesetzeslage verstößt oder nicht. Geprüft werde stets mit "doppeltem Sicherheitsnetz", versicherte Otte-Kinast. Verstöße gibt es aber offenbar trotzdem. Die Ministerin wirft daher dem Bund vor, das Problem nicht genug in Angriff zu nehmen. Außerdem fordert sie, dass deutsche Regeln auch im EU-Ausland gelten müssten.

Neue Anreize für Milcherzeuger - nur welche?

Um das System Tiertransporte über weite Strecken in Drittländer zu ändern, ist es laut Otte-Kinast allerdings auch nötig, Milcherzeugern eine Alternative anzubieten. Gerade kleine und mittlere bäuerliche Betriebe seien auf die Erlöse aus dem Viehverkauf angewiesen. Das Ziel: neue Anreize bieten. Wie genau diese aussehen sollen und wie konkret sie das System verändern sollen, sagte die Ministerin allerdings nicht.

 

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Aktuell | 29.04.2021 | 16:00 Uhr

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