Stand: 08.02.2017 20:19 Uhr

AfD-Mitglieder eröffnen "Trappenjagd" auf Kritiker

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Der NOZ liegt eine Mail vor, in der ein AfD-Mitglied dazu auffordert, Kritiker des Landesvorstands aus der Partei zu drängen. (Archiv)

Der Begriff stammt aus dem Nationalsozialismus und bezeichnet eine deutsche Militäroffensive auf der Krim während des Zweiten Weltkriegs: Nun wollen Mitglieder der niedersächsischen AfD offenbar unter dem Stichwort "Trappenjagd" gegen parteiinterne Kritiker des Landesvorstands vorgehen. Das belegt eine E-Mail mit dem Betreff "Operation Trappenjagd", die der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ) vorliegt, deren Existenz der Sprecher der AfD Niedersachsen NDR.de jedoch nicht bestätigen wollte. Er habe davon lediglich in der Zeitung gelesen, sagte Daniel Biermann am Mittwoch. Laut NOZ soll der Kreisvorstand Thorben Freese entmachtet, seine Mitstreiter isoliert werden. Freese ist Chef der AfD Osterholz-Verden. Pikantes Detail: Ausgerechnet Freeses Vorgänger soll der Verfasser der Mail sein. Bis März 2016 stand Uwe Wappler dem Kreisverband Osterholz-Verden vor - und verlor sein Amt, nachdem er mit der falschen Behauptung, an der Unterweser sei eine Zwölfjährige vergewaltigt worden, bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte.

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Wappler verspricht "Karnickelfangschlag"

In seiner Mail habe Wappler der AfD-Führungsspitze um Landeschef Armin Paul Hampel seine Strategie dargelegt, wie er Freese loswerden will - und darin einen "Karnickelfangschlag" versprochen, berichtet die NOZ: "Wir isolieren ihn und kapern seine Veranstaltung", ist laut Zeitung dort zu lesen. Wenn das gelungen und Freese abgewählt oder zurückgetreten sei, sollten anschließend Mittäter ausgesondert und "Mitläufer für zwei Jahre ins Abklingbecken" gesteckt werden. Landeschef Hampel weiß von der Mail nach eigenen Angaben lediglich aus den Medien. Allerdings könne er nicht ausschließen, dass er sie ebenfalls bekommen habe, sagte Hampel NDR.de, möglicherweise befinde sie sich in der Flut ungelesener Mails in seinem Postfach. Der in den Medien zitierte Umgangston der Mail sei allerdings nicht seiner, sagte Hampel, "so gehen wir nicht miteinander um".

"Unternehmen Trappenjagd"

Mit dem Namen "Unternehmen Trappenjagd" bezeichneten die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg eine gemeinsame Offensive mit rumänischen Truppen, um die Halbsinel Kertsch auf der Krim zu gewinnen. Bei der Offensive im Mai 1942 schlugen die deutsch-rumänischen Truppen sowjetische Verbände, obwohl diese im Verhältnis drei zu eins überlegen waren.

"Eröffne den Krieg nicht vor 13. Februar"

Der Kreisvorsitzende solle gar aus der Partei geworfen werden, berichtet die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" (HAZ), der die E-Mails ebenfalls vorliegen. Ein Ansinnen, das offenbar auf Gegenliebe stößt. Wie beide Zeitungen übereinstimmend berichten, antwortete Landesbeisitzer Wilhelm von Gottberg dem "lieben Uwe" (NOZ), dass er nichts gegen den Plan habe, Freese zu isolieren. "Aber bitte eröffne den Krieg nicht vor dem 13. Februar", zitieren beide Zeitungen von Gottberg. Am Wochenende zuvor will die Partei in Hannover die Listen für die Bundestagswahl beschließen. Von Gottberg war beim AfD-Parteitag am vergangenen Wochenende auf Platz vier der Landesliste gewählt worden, nach der Bundestagswahl könnte der 76-jährige Alterspräsident des Parlaments in Berlin werden. Gegenüber der NOZ bestätigte er den Mailverkehr. Dass es Pläne gebe, gegen Kritiker vorzugehen, bestritt von Gottberg jedoch. Vielmehr sei es ihm darum gegangen, Wappler zu bremsen.

"Interne Querelen im Kreisverband"

Nach Ansicht von Landeschef Hampel handelt es sich bei der ganzen Angelegenheit um "interne Querelen in dem Kreisverband, die die Mitglieder vor Ort regeln müssen". Wenn das nicht klappe, werde sich der Landesverband einschalten. "Wie in Osnabrück und Hildesheim, da haben wir uns auch gekümmert", sagte Hampel. Ob Wapplers Mail nicht schon für ein Einschreiten reicht, lässt der AfD-Landeschef sich offen. Er werde sie sich jetzt erst einmal angucken und dann entscheiden, so Hampel.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 14.02.2017 | 14:30 Uhr

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