Abscheu in Niedersachsen nach Bremer Feuerwehrskandal

Stand: 25.11.2020 12:30 Uhr

Nach dem Bekanntwerden rechtsextremer Strukturen bei der Bremer Berufsfeuerwehr ist das Entsetzen in Niedersachsen groß. Die Feuerwehrleute sollen in Chatgruppen rassistische Fotos ausgetauscht haben.

Zudem wurde der Vorwurf laut: Sobald es Einsätze in Haushalten von Migranten gab, sollen die Feuerwehrleute ihre Arbeit nicht richtig gemacht haben, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Jetzt ermittelt in der Hansestadt der Staatsschutz. In Niedersachsen ist das Entsetzen über die Vorfälle im Nachbarbundesland groß.

Entsetzen in Niedersachsen

Mit Schrecken und Abscheu reagierte die Osnabrücker Stadträtin Katharina Pötter (CDU). Die Osnabrücker Feuerwehr sei stark und bunt, sagte sie. Auch die Oldenburger Feuerwehr sei seit Jahren sensibilisiert für das Thema rechte Gedanken bei der Feuerwehr, sagte ein Stadtsprecher. Ernst Hemmen, Chef des Feuerwehrverbandes Ostfriesland, sieht in der Feuerwehr einen Querschnitt der Gesellschaft vertreten. Es gebe auch hier schwarze Schafe, sagte er.

Verband setzt auf "Löschangriff gegen Rechts"

Der Landesfeuerwehrverband weiß seit Jahren um die Gefahren. Der Verband hat schon vor fünf Jahren die Initiative "Löschangriff gegen Rechts" ins Leben gerufen. 15 Feuerwehrleute reisen quer durchs Land und erklären den Feuerwehrleuten, wie sie rechte Tendenzen erkennen und was sie dagegen unternehmen können.

Unterwanderungsversuche in Südniedersachsen

Der Demokratiebeauftragte des Landesfeuerwehrverbandes Claus Bauck hat festgestellt, dass es immer wieder - gerade in Südniedersachsen - Versuche gab, die Feuerwehren von rechts zu unterwandern. Zwei mal habe die Feuerwehr versucht, deshalb Mitglieder auszuschließen. Sie hätten sich schließlich von selbst zurückgezogen. Mittlerweile sei das Thema Sensibilisierung Teil der Ausbildung. Selbst wer eine Jugendgruppe der Feuerwehr leiten will, müsse inzwischen ein einwandfreies Führungszeugnis vorweisen können, sagte Bauck.

Bremer Innensenator übernimmt Führung der Feuerwehr

Die rechten Umtriebe bei der Remer Feuerwehr waren unter anderem durch Recherchen von NDR, Radio Bremen und "Süddeutscher Zeitung" aufgedeckt worden. Was bislang an Dokumenten, Bildern und Tondokumenten vorliege, sei aus dem rechten "Hardcore-Bereich, die übelsten Sachen", sagte Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) am Dienstag. Was er gesehen habe, sei "widerwärtig und abstoßend". Den Recherchen zufolge sollen Inhalte mit dem Hitlergruß, Hakenkreuzen und Bilder, auf denen Migranten der Tod gewünscht wird, kursiert haben. Weil die Führungsspitze der Feuerwehr Aufgaben in der Corona-Abwehr übernommen habe, habe er nun selbst die Leitung der Feuerwehr übernommen, sagte der Senator. Er setzte eine Sonderermittlerin ein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 25.11.2020 | 12:00 Uhr

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