Stand: 28.11.2011 22:44 Uhr

Der Castor quält sich ins Ziel

Der Castor-Transport fährt am Montag (28.11.2011) ins atomare Zwischenlager in Gorleben ein. Der 13. Castor-Transport mit deutschem Atommüll aus der französischen Wiederaufarbeitung hat das atomare Zwischenlager in Gorleben erreicht. © dpa Foto: Julian Stratenschulte
Der Castor-Transport hat das Zwischenlager in Gorleben erreicht.

Der Castor 2011 ist am Ziel. Fast 126 Stunden nach dem Start in Frankreich erreichte der Transport mit dem hochradioaktiven Müll das Zwischenlager in Gorleben. Selbst auf dem letzten Teilstück zwischen dem Verladebahnhof in Dannenberg und dem Zwischenlager kam er noch einmal für etwa eine Stunde zum Stehen. Zwei Aktivisten war es auf der Straße bei Grippel gelungen auf das Führerhaus eines der Spezialtransporter zu klettern. Spezialeinheiten der Polizei holten die Atomkraftgegner herunter.

Castor-Gegner halten Polizei in Atem

Die Castor-Lkw waren nach dem Umladen in Dannenberg um 18.40 Uhr Richtung Gorleben gestartet. Von zwei möglichen Routen zum Zwischenlager wurde die Südstrecke gewählt (siehe Karte unten). Castor-Gegner hielten die Polizei auch am letzten Tag des Transports in Atem. 1.000 Aktivistenblockierten die Zufahrt zum Zwischenlager. Gleichzeitig versperrten Greenpeace-Mitglieder mit einem Kleintransporter in Klein Gusborn die Südroute zwischen Dannenberg und Gorleben. Nach mehreren Stunden setzten die Beamten den Aktionen ein Ende.

Mit Beton-Konstruktion am Boden verankert

Mit einer Beton-Konstruktion hatten die Umweltschützer von Greenpeace am Montagmorgen den Kleinlaster am Boden verankert. Zwei der Aktivisten, eine 21-jährige Frau und ein 26 Jahre alter Mann, befanden sich im Inneren des Transporters, mit den Armen steckten sie in der Konstruktion. Nach mehr als sechs Stunden bekamen die Polizisten den Laster frei und schoben ihn von der Straße.

Polizei und Greenpeace streiten über das angeblich gewaltsame Vorgehen der Aktivisten bei dieser Aktion: Laut einem Polizeisprecher waren die Greenpeace-Mitglieder mit ihrem Transporter plötzlich auf die Straße zugefahren. Die Aktivisten hätten Haltezeichen ignoriert und seien durch die Sperre durchgebrochen. Ein Beamter habe gerade noch zur Seite springen können, so der Sprecher. Greenpeace selbst bestreitet den gewaltsamen Durchbruch. Es habe keine Polizeisperre gegeben und damit auch keine Beamten, die hätten verletzt werden können, so eine Sprecherin.

1.000 Castor-Gegner an Zufahrt zum Zwischenlager

Auch die Blockade von 1.000 Aktivisten an der Zufahrt in das Zwischenlager bei Gorleben hatte schließlich ein Ende. Die Polizei räumte am Abend die besetzte Ortsausfahrt Richtung Laase. Ausgerüstet mit Schlafsäcken, Strohpolstern und Iso-Matten hatten sich die Demonstranten hier seit Sonntag aufgehalten. Friedlich verlief die Räumung aber offenbar nicht: Die Polizei setzte Wasserwerfer ein und soll - wie Aktivisten online berichten - "einzelne Menschen brutal aus der Menge" gerissen haben.

Greenpeace: Castoren schirmen Strahlung unzureichend ab

Greenpeace machte auf die hohe Strahlung am Castor-Transport aufmerksam. Am Verladebahnhof in Dannenberg haben die Umweltschützer die Neutronenstrahlung selbst gemessen: In 14 Metern Entfernung hätten die Messgeräte einen Wert von vier bis fünf Mikrosievert pro Stunde angezeigt. Dieser Werte liege mehr als 600 Mal höher als die wenige Stunden zuvor am gleichen Ort gemessene Hintergrundstrahlung durch Neutronen, hieß es. Dagegen stellte das Umweltministerium am Montagabend seine eigenen Messungen, wonach alles im grünen Bereich sein soll. Die zulässigen Werte würden sicher eingehalten, sagte eine Sprecherin in Hannover. Dies hätten Messungen in Dannenberg ergeben. Die Strahlendosis von 0,1 Millisievert pro Stunde in zwei Metern Abstand sei eingehalten worden.

Von der Schiene auf die Straße

Auf seiner letzten Schienen-Etappe war der Castor-Zug nur schleppend vorangekommen. In der Nacht zu Montag hatte die Polizei schließlich die Blockade in Hitzacker aufgelöst, sodass der Transport ab 3.30 Uhr die letzten elf Kilometer auf der Schiene zurücklegen konnte. Fünfeinhalb Stunden dauerte der Stopp bei Hitzacker. Dort hatten sich Aktivisten der Bäuerlichen Notgemeinschaft an eine Betonpyramide gekettet. Die Polizei tat sich schwer damit, die vier Landwirte aus dem Betonblock zu befreien. Die Aktivisten lösten sich schließlich selbst aus der ausgeklügelten Konstruktion. Um 4.20 Uhr kam der Zug dann in Dannenberg an, wo die strahlende Fracht ohne Probleme bis zum Nachmittag auf Spezial-Lkw für die Schluss-Etappe verladen wurde.

Karte: Die Route auf der Straße (grün) sowie die Alternative (rot)

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 28.11.2011 | 19:30 Uhr

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