Stand: 30.08.2017 21:53 Uhr

"Werde das tun": Schröder in Rosneft-Aufsichtsrat

Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) will entgegen scharfer Kritik das Angebot annehmen, in den Aufsichtsrat des russischen Ölkonzerns Rosneft einzuziehen. Das sagte er am Mittwoch bei einer Wahlkampfveranstaltung der Sozialdemokraten in Rotenburg/Wümme. "Ich werde das tun. Es geht um mein Leben, und darüber bestimme ich - und nicht die deutsche Presse." Er wolle dabei mithelfen, die Energiesicherheit Deutschlands und Europas zu sichern. 

Gabriel stellt sich hinter Schröder

Dieser Schritt Schröders hatte insbesondere bei der Union und der Opposition Kritik ausgelöst, weil Rosneft wegen der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim mit EU-Sanktionen belegt worden ist. Nach Bekanntwerden der Option des Altkanzlers hatte sich auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz von den Plänen des Merkel-Vorgängers distanziert. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hingegen stellte sich am Mittwochabend erneut hinter Schröder und warf der Union eine bewusste Skandalisierung der Ambitionen des Altkanzlers vor.

"Dämonisierung Russlands hilft keinem"

Schröder ließ an diesem Abend noch offen, ob er sogar den Aufsichtsrats-Vorsitz von Rosneft übernehmen soll. Das hatten russische Medien zuletzt wiederholt berichtet. Schröder erklärt seinen Schritt damit, dass es aus seiner Sicht aus ökonomischen und politischen Gründen nicht vernünftig ist, Russland zu isolieren. "Die Dämonisierung Russlands hilft keinem." Rosneft sei keineswegs "der verlängerte Arm der russischen Regierung". So seien auch British Petroleum (BP), Katar oder Glencore an dem weltgrößten Ölkonzern beteiligt. Das neunköpfige Aufsichtsgremium sei nicht russisch dominiert. Auf die Frage, ob er nicht fürchte, von Russlands Präsident Wladimir Putin als Aushängeschild bei Rosneft benutzt zu werden, antwortete Schröder: "Ich bin nicht benutzbar." Er habe auch nicht den Eindruck, dass Putin dies mit ihm vorhabe, sagte der Altkanzler. Seine Wahl in den Rosneft-Aufsichtsrat ist für den 29. September geplant.

Gabriel: CDU nutzte Schröders Russland-Kontakte

Er habe kein Problem mit dem Rosneft-Job, "und ich denke gar nicht daran, mir eins machen zu lassen", machte Schröder abermals deutlich. Er habe Interesse, noch was zu bewegen. Immer dann, wenn es keine guten Beziehungen zwischen Deutschland und Russland gegeben habe, sei es nicht gut für Europa gewesen. Ihm gefalle aber auch nicht alles, was Russland auf der Welt tue. Der Union hielt Gabriel vor, in anderen Situationen die Russland-Kontakte Schröders genutzt zu haben. Er nannte die Vermittlung bei einer Geiselnahme deutscher OSZE-Beobachter in der Ostukraine. Zu den Berichten, nach denen Schröder den Chefposten im Rosneft-Aufsichtsrat übernehmen soll, sagte der Vizekanzler: "Wenn er Chef ist, umso besser, hat er ein bisschen was zu sagen." Der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hingegen kritisierte Schröders geplantes Engagement.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 31.08.2017 | 07:00 Uhr

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