Stand: 11.02.2018 13:36 Uhr

Völkische Familien aktiver als angenommen

von Björn Ahrend

Sie sind traditionell gekleidet, gehen handfesten Berufen nach und veranstalten Brauchtumsfeiern auf ihren Höfen. Doch nach Informationen von NDR1 Niedersachsen und Hallo Niedersachsen haben Mitglieder sogenannter "völkischer Familien" in Niedersachsen ihre Kontakte ins gesamte rechte Spektrum intensiviert: zu Parteien wie der AfD und der NPD ebenso wie zur Identitären Bewegung, die der Verfassungsschutz in seinem jüngsten Bericht als rechtsextreme Aktivisten bezeichnet.

Völkische Siedler aus Nordostniedersachsen

Phänomen gibt es seit Jahrzehnten

Neu ist das Phänomen solcher Familienverbünde nicht. Auch der Verfassungsschutz in Hannover bestätigt, dass sich hierzulande teilweise schon vor mehreren Jahrzehnten Familien mit einem völkisch-nationalen Weltbild niedergelassen haben, insbesondere im Nordosten. Man beobachte die Szene, die lange als zurückgezogen, unauffällig und abgeschottet galt.

Mitglieder völkischer Familien bei einem öffentlichen Tanz.

Verfassungsschutz beobachtet völkische Familien

Hallo Niedersachsen -

Im Nordosten Niedersachsens leben einige Familien betont traditionsbewusst und abgeschottet. Laut Verfassungsschutz steckt dahinter ein rechtsextremistisches Weltbild.

2,65 bei 78 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Größte Szene in den alten Bundesländern

Ausgangspunkt der monatelangen Recherche ist eine Grundlagen-Studie der Amadeu-Antonio-Stiftung zum völkischen Rechtsextremismus in Niedersachsen. Ihr zufolge ist die völkische Szene, die sich hierzulande vor allem auf die Landkreise Uelzen, Lüneburg und Lüchow-Dannenberg konzentriert, die größte in den alten Bundesländern. Warum gerade dort, erklärt Marius Hellwig von der Amadeu-Antonio-Stiftung dem NDR so: "Strukturschwache Regionen sind besonders anfällig, weil dort wenig zivilgesellschaftlicher Protest erwartet wird. Rechtsextreme Familien lernen sich untereinander kennen, es wird geheiratet, Leute ziehen hinzu. Ein Kreislauf kommt in Gang: Eine Region gilt als attraktiv, die Szene wächst."

Harmloses Äußeres, rechtsextremes Weltbild

In ihren Dörfern agieren die Familien mit völkischem Weltbild in der Regel unauffällig. Viele arbeiten im Gartenbau, als Zimmerleute oder in der Landwirtschaft. Ihre Höfe stellen Szene-Kennern zufolge einen wichtigen Rückzugsraum für Rechtsextreme dar. Unter anderem, weil hier in der Vergangenheit immer wieder Jugend-Lager und rituelle Feste stattgefunden haben. In Edendorf im Landkreis Uelzen etwa sollen völkische Siedlerfamilien im Frühjahr 2016 zu einem Volkstanztreffen eingeladen haben. Dieses gilt mit rund 200 Teilnehmern als das größte Treffen von Rechtsextremen in Norddeutschland. Auch der Uelzener AfD-Kreistagsabgeordnete Maik Hieke räumte auf NDR-Nachfrage ein, teilgenommen zu haben. Er sagte, es habe sich lediglich um ein "Tanzvergnügen" gehandelt. Dem Verfassungsschutz zufolge dienen solche Feiern der Gemeinschaftspflege innerhalb der Szene.

Vernetzung nach außen, Gefahr nach innen

Auch wenn die völkische Szene in Niedersachsen zahlenmäßig weitestgehend konstant ist, zeigen NDR-Recherchen, dass deren Angehörige aktiver sind als bislang angenommen. Und, dass sie sich in den vergangenen Jahren vermehrt mit rechten Organisationen vernetzen. So seien mehrere Angehörige völkischer Familien im Spätsommer 2016 im Video einer "Kulturaktion" der Identitären Bewegung in Hamburg zu sehen. Außerdem würden, so Hellwig, Familienangehörige auf rechtsextremen Demonstrationen mitlaufen und Kontakte zum gesamten rechten Spektrum pflegen: "vom Rechtspopulismus über die Neue Rechte, AfD, NPD bis zum Rechtsterrorismus". Die familiäre Struktur der Szene ist dem Verfassungsschutz zufolge auch deswegen problematisch, weil hier rechtsextreme Ideologie vererbt werde. Kinder würden von ihren Eltern quasi "indoktriniert", fürchtet man. "Hier drohen junge Leute für die Demokratie verloren zu gehen, weil sie sich nur in dieser Szene bewegen und das offenbar über mehrere Generationen schon", warnt Verfassungsschutz-Präsidentin Maren Brandenburger.

Weitere Informationen

Völkische Siedler: Rechtes Treffen in der Heide

Bei Bienenbüttel haben sich 200 rechtsextreme völkische Siedler getroffen. Die Polizei ist nicht tätig geworden. Die Kirchen haben Donnerstag vor steigendem Rechtspopulismus gewarnt. (12.05.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 11.02.2018 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

01:36
NDR//Aktuell

Michael Schulte fährt zum ESC nach Lissabon

23.02.2018 14:00 Uhr
NDR//Aktuell
04:07
Hallo Niedersachsen

Anlaufstelle für Straffällige vor dem Aus

22.02.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
03:01
Hallo Niedersachsen

Dieselfahrverbot? Entscheidung vertagt

22.02.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen