Stand: 22.01.2018 17:18 Uhr

Streit um Lüneburgs Bürgermeister spitzt sich zu

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Nach seinem Auftritt in einem Internet-Video steht Lüneburgs Bürgermeister Scharf heftig in der Kritik.

Die Kritik an Lüneburgs ehrenamtlichem Bürgermeister Gerhard Scharf (CDU) weitet sich aus. Wissenschaftler der Leuphana Universität werfen ihm vor, unter anderem verbrecherische Taten der Wehrmacht zu verharmlosen. Aus diesem Grund müsse die Stadt ihren ehrenamtlichen Bürgermeister aus dem Amt entlassen.

Breite Front gegen Bürgermeister

Unterstützung bekommen die Wissenschaftler auch von anderen Gruppierungen an der Universität. Die Studierendenvertreter und der Senat der Leuphana verlangen, dass sich Scharf entschuldigt. Dass die Aussagen eines Lüneburger Bürgermeisters dazu dienen könnten, rechtsextremes Gedankengut zu beflügeln, dürfe nicht sein, heißt es. Es sei absolut unverständlich, so die Wissenschaftler, warum die Stadt ihrem ehrenamtlichen Bürgermeister weiter den Rücken stärke.

Scharf spricht über KZ in Ozarichi

Anlass des Streits ist ein Youtube-Video eines rechtsextremen Bloggers, das im Internet bereits 23.000 Mal angeschaut wurde. Scharf spricht darin über die Taten deutscher Soldaten im Konzentrationslager von Ozarichi (heutiges Weißrussland), die nach Einschätzung von Historikern zu den schlimmsten Verbrechen der Wehrmacht zählen. Der ehrenamtliche Bürgermeister, der selbst Historiker ist, behauptet in dem Gespräch mit dem Blogger Nikolai N., dass nur vergleichsweise wenige Soldaten der Lüneburger 110. Infantriedivision daran beteiligt gewesen seien. Zudem seien die Soldaten Freiwillige gewesen. Das sei absolut falsch, kritisieren die Leuphana-Wissenschaftler. Studien würden das Gegenteil beweisen.

Stellungnahme für 1. Februar angekündigt

In dem vor 14 Tagen aufgetauchten Video bezeichnet der 78-jährige Scharf zudem die Art zum Teil als dumm, wie sich der Leuphana-Arbeitskreis für Gedenkkultur mit der Lüneburger NS-Geschichte auseinandersetzt. Laut einem Bericht der Landeszeitung wird innerhalb der Lüneburger CDU derzeit diskutiert, ob Scharf sein Amt in Kürze abgeben sollte. Der ehrenamtliche Bürgermeister, der Stellvertreter von Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) ist, will sich auf einer Ratssitzung am 1. Februar zu den Vorwürfen äußern.

Weitere Informationen

Lüneburgs Bürgermeister auf rechtem Youtube-Kanal

Lüneburgs Bürgermeister und OB-Stellvertreter Scharf (CDU) äußert sich auf einem rechten Youtube-Kanal zu Wehrmachtsverbrechen. Die Stadt nimmt ihn gegen Kritik in Schutz. (10.01.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 22.01.2018 | 17:00 Uhr

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