Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nimmt mit seiner Frau im ehemaligen Kriegsgefangenenlager Sandbostel an einer Gedenkveranstaltung teil. © dpa-bildfunk Foto: Sina Schuldt

Steinmeier gedenkt NS-Kriegsgefangener im Lager Sandbostel

Stand: 14.06.2021 17:14 Uhr

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat im Landkreis Rotenburg an 70.000 sowjetische Soldaten erinnert, die im früheren Kriegsgefangenenlager Sandbostel interniert waren.

"Dieser Besuch gilt einer Opfergruppe, die auch in der deutschen Erinnerung weitgehend vergessen worden ist", sagte Steinmeier bei seinem Besuch auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers im Landkreis Rotenburg. Das Sterben habe nicht nur in der Ferne stattgefunden, sondern auch bei uns, so der Bundespräsident. Tausende sowjetische Gefangene starben seinerzeit in Sandbostel an Misshandlungen, Zwangsarbeit, Krankheit und Hunger. Zu ihrem Gedenken legte Steinmeier einen Kranz auf dem Lagerfriedhof nieder.

Steinmeier: "Was passiert ist, darf nie wieder passieren"

Bis zur Befreiung des Lagers im April 1945 brachten die Nazis mehr als 300.000 Gefangene verschiedenster Nationen nach Sandbostel. Es sei wichtig, sich auch die "dunklen Seiten der Geschichte" in Erinnerung zu rufen, so der Bundespräsident. Die Gedenkstätte sei ein notwendiger Ort, auch um junge Menschen für das Geschehene zu sensibilisieren. Steinmeier dankte den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden in Sandbostel, die mit ihrem Einsatz die Gedenkstätte erst möglich gemacht hätten.

Das Kriegsgefangenenlager Sandbostel

Das Kriegsgefangenenlager Sandbostel war eines der größten der Wehrmacht. Auf dem Gelände im Moor im Landkreis Rotenburg standen 150 Baracken. Die Gefangenen wurden in der Regel zu harter Arbeit gezwungen. Tausende starben durch Hunger, Seuchen, Erschöpfung und Gewalt. Am 29. April 1945 befreiten britische Soldaten das Lager. Seit 2007 erinnert eine Gedenkstätte an diesen Teil der deutschen Geschichte. 2013 wurde eine Dauerausstellung eröffnet. Einzelne, verfallene Original-Baracken stehen noch, andere wurden rekonstruiert, um einen Eindruck der Lebensumstände der Gefangenen zu vermitteln.

Bundespräsident will an sowjetische Opfer erinnern

Anlass für Steinmeiers Besuch in Sandbostel war der Jahrestag des Überfalls von Nazi-Deutschland auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941. Von insgesamt rund 5,7 Millionen sowjetischen Soldaten starben während des Zweiten Weltkriegs mehr als drei Millionen Rotarmisten in deutschen Lagern. In Erinnerung daran will Steinmeier am 18. Juni zudem als erster Bundespräsident das Deutsch-Russische Museum in Berlin-Karlshorst besuchen und dort eine Rede zum Gedenktag halten. Am 22. Juni ist eine Kranzniederlegung am sowjetischen Ehrenmal Schönholzer Heide in Berlin geplant.

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NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 14.06.2021 | 15:00 Uhr

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