Stand: 19.08.2019 19:15 Uhr

Stade: Zahl der Schüsse aus Dienstwaffe unklar

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In Stade ist am Sonnabend ein junger Mann von einem Polizisten erschossen worden.

Die Staatsanwaltschaft Stade prüft die Umstände des tödlichen Schusses eines Polizeibeamten auf einen 19-Jährigen. Der junge Mann war am Sonnabend im Stader Stadtteil Bützfleth in einer Flüchtlingsunterkunft mit einer Hantelstange auf Polizisten losgegangen. Nachdem der Einsatz von Pfefferspray erfolglos blieb, schoss einer der Beamten mit seiner Dienstwaffe auf den Mann, um den Angriff zu stoppen. Der Mann starb kurze Zeit später an seinen Verletzungen. Zunächst hatte die Polizei das Alter des Opfers mit 20 Jahren angegeben. Am Montag wurde diese Angabe gegenüber NDR 1 Niedersachsen korrigiert.

Nachbarin hörte vier Schüsse

Gegenstand der Ermittlungen ist auch, wie viele Schüsse insgesamt auf den Mann abgegeben worden sind. Das berichtet NDR 1 Niedersachsen. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft werde "besonderes Augenmerk auf die Frage gerichtet, ob der Polizist in Notwehr gehandelt habe". Eine Nachbarin erklärte gegenüber dem NDR, sie habe vier Schüsse gehört. Für die polizeilichen Ermittlungen ist die Polizei Cuxhaven zuständig. Die Kollegen des Polizeibeamten, fünf weitere Bewohner der Flüchtlingsunterkunft und die Nachbarn sollen als Zeugen vernommen werden. Die Staatsanwaltschaft Stade rechnet erst mehreren Wochen mit Ergebnissen der Ermittlungen gegen den Polizisten, der derzeit nicht im Dienst ist.

Eine Gedenkstätte eines erschossenen Flüchtlings.

Erschossener Flüchtling: Notwehr oder Totschlag?

Hallo Niedersachsen -

Bei einem Polizeieinsatz in Stade wurde ein 19-jähriger Flüchtling erschossen, der auf die Beamten losgegangen war. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdacht auf Totschlag.

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Pistorius: "Sehr tragischer Fall"

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) sprach am Montag von einem "sehr tragischen Fall". Dies werde jetzt aufgeklärt und ermittelt von der Staatsanwaltschaft, wie sich das gehöre. Eine Kommentierung der Vorgänge verbiete sich von daher, sagte Pistorius. Die AfD-Fraktion im niedersächsischen Landtag bekräftigte indes ihre Forderung, die Polizei probeweise mit Elektroimpulswaffen, sogenannten Tasern, auszustatten. "Ein Taser hätte den Mann wohl ebenfalls außer Gefecht gesetzt, aber ohne ihm das Leben zu nehmen", sagte der innenpolitische Sprecher der AfD-Fraktion Jens Ahrends.

Opfer war polizeibekannt

Nach NDR Informationen soll das Opfer als gewaltbereit bekannt sein. Er sei in Stade aufgefallen, weil er mit einem Messer durch die Stadt lief und aggressiv gegen ein Auto getreten habe. Gegen ihn sei zudem wegen des Vorwurfes der Nachstellung ermittelt worden. Das Verfahren sei im Januar eingestellt worden. Der Mann soll zudem im Stader Elbeklinikum wegen psychischer Probleme behandelt worden sein.

Angriff mit einer Hantelstange

Die Polizei war am Samstagabend um 19.45 Uhr per Notruf wegen einer Auseinandersetzung zwischen zwei Personen in das Mehrfamilienhaus gerufen worden. In diesem sind sechs Flüchtlinge untergebracht. Die Polizisten hätten zunächst versucht, mit dem Mann durch ein offenes Fenster zu reden, worauf er nicht reagiert habe. Als die Beamten die Wohnung betraten, habe der Mann zu einer Hantelstange aus Eisen gegriffen und sie attackiert. Mehrere Polizisten hätten daraufhin vergeblich versucht, den Mann mit Pfefferspray abzuschrecken, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Schließlich habe ein Beamter zur Dienstwaffe gegriffen und auf den Mann geschossen. Notärztin und Sanitäter konnten dem Schwerverletzten nicht mehr helfen. Er starb kurze Zeit später an den Verletzungen. Die fünf anderen Bewohner des Hauses wurden nach dem Vorfall in andere Unterkünfte gebracht.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 19.08.2019 | 19:30 Uhr

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