Das Verwaltungsgebäude der psychiatrischen Klinik Lüneburg. © dpa Foto: Philipp Schulze

Staatsanwalt sieht in 21-Jährigem "Gefahr für Allgemeinheit"

Stand: 01.07.2021 17:45 Uhr

Nach dem gewaltsamen Tod von zwei Patienten in der Psychiatrischen Klinik Lüneburg ist das Sicherungsverfahren gegen einen jungen Mann eröffnet worden.

Die Staatsanwaltschaft sieht in dem 21-Jährigen eine "Gefahr für die Allgemeinheit" und strebt die dauerhafte Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Die Vorwürfe lauten auf Totschlag in zwei Fällen, Nötigung, gefährliche Körperverletzung sowie versuchte gefährliche Körperverletzung in Tateinheit mit Widerstand und tätlichem Angriff auf Vollstreckungsbeamte. Laut einem vorläufigen Gutachten liegt eine paranoide Schizophrenie vor. Zwei vom Täter verletzte Krankenschwestern verfolgten den Auftakt am Donnerstag.

Zwei Männer wurden brutal getötet

In der am Donnerstag vor dem Lüneburger Landgericht vorgetragenen Antragsschrift hat die Staatsanwaltschaft noch einmal den Ablauf der Tatnacht geschildert. Die Staatsanwaltschaft legt dem 21-Jährigen zur Last, im Zustand der krankheitsbedingt aufgehobenen Schuldfähigkeit am 19. Februar zwei Mitpatienten im Alter von 54 und 56 Jahren getötet zu haben. Dabei soll er in der Nacht in die Patientenzimmer eingedrungen sein. Einen Mann habe er erdrosselt, ihm zuvor drei OP-Masken in den Rachen geschoben. Minuten später soll er mit einem Radio auf den zweiten Patienten eingeschlagen haben, der ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt. Danach randalierte er, bewarf Pflegepersonal und Polizisten mit Stühlen und Porzellangeschirr. Zwei Pflegerinnen und mehrere Beamte erlitten Verletzungen an Armen und Händen. Der Beschuldigte war kurz zuvor freiwillig als Patient in die Klinik gegangen.

Das Sicherungsverfahren hat Gründe

Bei dem Verfahren handelt es sich wegen der Erkrankung des mutmaßlichen Täters um ein sogenanntes Sicherungsverfahren. In diesem ist der Tatverdächtige kein Angeklagter, sondern ein Beschuldigter. Deshalb gibt es auch keine Anklageschrift, sondern eine Antragsschrift. Dabei soll geklärt werden, ob die Vorwürfe zutreffend sind und der Beschuldigte dauerhaft im Maßregelvollzug einer Psychiatrie untergebracht werden muss, um die Allgemeinheit zu schützen. Für den Prozess wurden bis Anfang August sieben weitere Verhandlungstage angesetzt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 01.07.2021 | 15:00 Uhr

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