Stand: 13.04.2019 09:33 Uhr

Schlachthof: Wurden heimlich kranke Tiere getötet?

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Die Rinder wurden laut Soko Tierschutz geschlachtet und ihr Fleisch verarbeitet. (Themenbild)

Gegen die Betreiber eines Schlachthofs in Düdenbüttel im Landkreis Stade ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft Oldenburg. In dem Betrieb sollen nach Angaben der Tierrechtsorganisation Soko Tierschutz kranke Tiere geschlachtet worden sein. Dass dies heimlich geschehen sein könnte, will nun auch die zuständige Dezernentin des Landkreises, Nicole Streitz, nicht mehr ausschließen, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Die Tierrechtsorganisation hatte in den vergangenen Wochen heimlich in dem Schlachthof gefilmt. Die Aufnahmen zeigen nach Angaben der Tierschützer unter anderem, wie kranke Tiere, die nicht einmal mehr laufen können, per Seilwinde vom Viehtransporter geladen werden.

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"Fleisch hätte nie in den Handel gelangen dürfen"

Dem Landkreis liegen 48 Videos der Tierschützer vor. Vor der Sichtung des Materials hatte Streitz gesagt, dass jedes Schlachten von eigenen Tierärzten überwacht werde. Jetzt sagte sie, dass nur auf einem Video für sehr kurze Zeit ein amtlicher Veterinär zu sehen sei. Der Landkreis hat die Verantwortlichen des Schlachthofes inzwischen wegen Tierquälerei angezeigt. Die Anzeige richte sich sowohl gegen den Betreiber und die Mitarbeiter als auch gegen Bauern, die kranke Tiere verkauft hätten. Die letzte Lieferung sei zurückgerufen und beprobt worden. Die Fleischproben seien nicht zu beanstanden gewesen, sagte Streitz. Dennoch hätte das Fleisch nie in den Handel kommen dürfen, weil die Tiere sichtbar krank gewesen seien. Nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums dürfen Tiere, die nicht selbst auf einen Transporter laufen können, nicht geschlachtet werden. Das Ministerium hatte Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Stade erstattet.

Betrieb wurde vorerst stillgelegt

Am Freitag begann der Betrieb damit, Fleisch unter Aufsicht des Landkreises zu entsorgen. Das Familienunternehmen, das in der vierten Generation schlachtet, zeige sich kooperativ, so Streitz. Es habe keine Beschwerde gegen den Beschluss des Landkreises eingelegt, den Betrieb vorerst stillzulegen. Außerdem hätten die Betreiber angekündigt, vor Ostern nicht mehr schlachten zu wollen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 12.04.2019 | 17:00 Uhr

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