Stand: 09.01.2020 20:40 Uhr

Projekt gegen Hass: Bundespräsident ehrt Love-Storm

Jemand drückt auf eine Taste mit der Aufschrift "Hass" auf einer Computertastatur. © imago Foto: Christian Ohde
Das Projekt Love-Storm will Menschen fit machen, um dem Hass im Internet richtig zu begegnen.

Das Internet kann ein finsterer Ort sein. Dort wird beleidigt, gelogen, gemobbt und gedroht. Im schlimmsten Fall braut sich ein Shit-Storm zusammen, der über den oder die Betroffene hereinbricht. Das Projekt Love-Storm aus dem Wendland hat es sich zum Ziel gesetzt Menschen den richtigen Umgang mit Hasskommentaren anzutrainieren. Für diese Arbeit sollte das Projekt am Donnerstag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beim Neujahrsempfang im Berliner Schloss Bellevue geehrt werden. Netzaktivisten Margaretha Eich musste ihre Teilnahme für Love-Storm allerdings kurzfristig absagen.

Projekt finanziert sich auch aus Spendengeldern

Love-Storm ist eine Trainings- und Aktionsplattform für Zivilcourage im Internet - seit September 2018 werden Inhalte für alle zur Verfügung gestellt, die etwas gegen Hass im Netz tun wollen. Das Projekt wurde bislang vom Programm "Demokratie leben" finanziert, außerdem von der Aktion Mensch sowie aus Spendengeldern. Es gibt Online- und Offline-Trainingseinheiten, dabei wird vermittelt, in Teams auf Hasskommentare zu reagieren. Dazu schlüpfen die Teilnehmer in verschiedene Rollen - vom Angreifer bis zum Zuschauer, hatte Eich im Vorfeld erklärt.

Menschen die Scheu zu nehmen

Im Rahmen des Trainings gebe es unterschiedliche Schwerpunkte - etwa antisemitische oder frauenfeindliche Kommentare, so Eich. Ziel sei, den Menschen die Scheu zu nehmen, auf derartige Kommentare zu reagieren. Problematisch sei es, wenn eine Stimmung entstehe, die Menschen dazu beeinflusse, den Worten auch Taten folgen zu lassen, meinte sie mit Blick auf den Mordfall Walter Lübcke: Im vergangenen Juni war der Kasseler Regierungspräsident vor seinem Hauses getötet worden. Der Generalbundesanwalt geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Im Hinblick auf rechtsextreme Positionen im Netz rät Eich dazu, eine klare Position zu beziehen - aber gewaltfrei. Idealerweise solle man konstruktiv diskutieren und beim ursprünglichen Thema bleiben.

Nachbarin via Messenger-Dienst beleidigt

Nach Angaben von Eich sind bisher rund 500 bis 600 Menschen trainiert worden. Nötig seien allerdings viele Tausend Menschen, die sich aktiv beteiligten, betonte sie. Man könne davon ausgehen, dass etwa 60 bis 70 Prozent aller Nutzer mit Hass-Attacken in Kontakt gekommen seien. Bei der Polizei landen davon nur die wenigsten Fälle. In Rinteln im Landkreis Schaumburg ermittelt die Polizei aber wegen einer solchen Beleidigung. Ein 52-Jähriger aus Rinteln soll seine Nachbarin per Messenger-Dienst mit den Worten "Dein fetter Arsch benimmt sich wie ein König!" beschimpft haben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 09.01.2020 | 09:30 Uhr

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