Stand: 01.09.2015 12:23 Uhr

Polizist nach Attacke weiter in Lebensgefahr

Nach seinem Einsatz am Rande eines Dorffestes in Seevetal (Landkreis Harburg) schwebt ein 31 Jahre alter Polizist weiter in Lebensgefahr, teilte die Polizei am Dienstag mit. Sein Gesundheitszustand habe sich noch nicht verbessert. Der Beamte war am Sonnabend schwer verletzt worden, als er mit mehreren Kollegen eine Prügelei auf dem Fest beenden wollte. Gegen den 31-jährigen Angreifer wurde inzwischen Haftbefehl erlassen. Dem Mann werden versuchter Totschlag und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen. Nicht erhärtet hat sich dagegen der Tatverdacht gegen einen 35-Jährigen, den die Polizei zunächst ebenfalls festgenommen hatte. Er kam wieder auf freien Fuß.

Auseinandersetzung nach Dorffest

Der Vorfall ereignete sich im Seevetaler Ortsteil Meckelfeld nach dem Ende eines Dorffestes. Viele Menschen strömten in den Biergarten einer nahe gelegenen Gaststätte. Am Eingang vor dem Lokal kam es nach Angaben der Polizei zu einem Streit zwischen dem Sicherheitspersonal und einigen jungen Männern, denen der Einlass verwehrt worden war. Die Auseinandersetzung mündete in eine Prügelei auf der Straße. Die Polizei war schnell vor Ort, weil mehrere Beamte auf dem Festplatz eingesetzt waren. Der 31-jährige Polizist erreichte den Ort der Schlägerei als erster, wenige Sekunden vor seinen Kollegen, und wurde sofort attackiert. Er erlitt eine schwere Kopfverletzung, verlor das Bewusstsein und musste in einer Hamburger Klinik notoperiert werden.

Polizei sucht Zeugen

Die Polizei hat auf dem Dorffest noch am Wochenende Handzettel verteilt, auf denen sie nach Zeugen sucht. Allerdings bisher mit nur geringem Erfolg. Sie richtet daher noch einmal den Appell an diejenigen, die die Schlägerei vor der Gaststätte Schnurr-Bart an der Rönneberger Straße beobachtet haben, sich zu melden. Hinweise nehmen die Beamten unter der Telefonnummer (04181) 28 50 entgegen.

Polizeidirektion Lüneburg: Jedes Jahr etwa 80 verletzte Beamte

Staatsanwältin Angelika Klee bestätigte NDR 1 Niedersachsen, dass der Verdächtige alkoholisiert war - eine Tatsache, die bei vielen Übergriffen auf Polizeibeamte eine Rolle spiele, sagt Lüneburgs Polizeipräsident Robert Kruse: "Die Menschen sind enthemmt und richten sich dann aggressiv gegen die, die versuchen, Ordnung herzustellen." Jedes Jahr werden im Bereich der Polizeidirektion Lüneburg, zu der auch der Landkreis Harburg gehört, rund 80 Beamte verletzt, wie Kruse sagt. "Rund 90 Prozent aller Polizeibeamten sind schon einmal mit Angriffen konfrontiert gewesen, das ist ein sehr hohes Niveau." Ein Niveau, das sich in letzter Zeit auch nicht groß verändert habe, so Kruse.

Gewerkschaft der Polizei fordert deutliches Zeichen

Martin Hellweg, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei im Bezirk Lüneburg, sieht auf Landesebene durchaus eine Verschärfung der Lage. Er verzeichnet seit Jahren immer mehr Angriffe auf Polizeibeamte. Der Respekt vor der Polizei sei immer weiter gesunken. Die Gewerkschaft fordert den Gesetzgeber bereits seit Längerem auf, einen neuen Straftatbestand zu schaffen, nach dem grundsätzlich jeder Angriff auf einen Polizisten verfolgt werden kann. Das könne ein deutliches Zeichen sein.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 31.08.2015 | 17:00 Uhr

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