Stand: 18.06.2019 16:00 Uhr

Polizeipanne: "Sülbecker Schädel" viel jünger

Der Schädel aus Neu Sülbeck (Landkreis Lüneburg), der im vergangenen Herbst von einem Förster entdeckt worden war, stammt nicht aus dem 15. Jahrhundert. Das bestätigte ein Sprecher der Polizei Lüneburg NDR.de am Dienstag. "Wir haben das falsch interpretiert", so der Sprecher weiter: Der Schädel stamme aus der Zeit nach 1950. Doch wie konnte es zu diesem Fehler kommen? Der Förster hatte nach seinem Fund die Polizei verständigt. Einheiten der Bereitschaftspolizei durchkämmten die Gegend um den Fundort und stießen auf weitere Knochenteile. Die Funde wurden dann zur Rechtsmedizin nach Hamburg geschickt.

Gerüchte um Monika Crantz

Dort wurden zunächst das Geschlecht der Toten festgestellt und DNA-Proben genommen. "Es gab zu dem Zeitpunkt Gerüchte, dass es sich bei der Toten um Monika Crantz handeln könne", sagte der Sprecher. Die 49-jährige Monika Crantz aus Ratzeburg (Schleswig-Holstein) war im Jahr 1999 spurlos verschwunden. Doch die Gerüchte verflüchtigten sich schnell: Es gab offenbar keinerlei Anhaltspunkte bei der Überprüfung der DNA. Um das Alter der Leiche genauer festlegen zu können, wurde dann das Curt-Engelhorn-Zentrum (CEZ) für Archäometrie in Mannheim (Baden-Württemberg) beauftragt.

Verweis auf Schweigepflicht

Das Ergebnis dieser Altersprüfung schickten die Mannheimer an die Rechtsmedizin, von dort ging es dann zurück zur Polizei nach Lüneburg. Und dann folgte der Fehler: Die Beamten irrten sich bei der Interpretation der Tabellen, die vom CEZ erstellt worden waren, und gingen davon aus, dass die Frau im Jahr 1408 ums Leben gekommen sei. Doch diese Annahme war falsch. Eine Anfrage von NDR.de, wie es zu der offensichtlich unübersichtlichen Analyse kommen konnte, ließ das Institut unbeantwortet und verwies auf die Schweigepflicht gegenüber dem Auftraggeber, also der Rechtsmedizin.

"Kriminalistisch keine neue Entwicklung"

Nachdem klar war, dass der Schädel doch nicht so alt ist wie zunächst angenommen, haben die Ermittler in Lüneburg nach eigenen Angaben die offenen Todes- und Vermisstenfälle erneut abgeglichen. Auch Fälle aus Hessen und Schleswig-Holstein seien darunter gewesen - ohne Ergebnis. "Kriminalistisch und strafrechtlich gibt es keine neue Entwicklung", heißt es von der Polizei. Woran die Frau letztendlich gestorben ist, konnten die Rechtsmediziner nicht mehr klären. Auch eine genauere Altersbestimmung aus Mannheim gab es nicht - "zu kostenintensiv", hieß es von der Polizei.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 18.06.2019 | 17:00 Uhr

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