Stand: 22.06.2018 10:19 Uhr

Pestizide auf Bio-Acker im Wendland geweht

Wer Bio-Gurken, Salat oder Fenchel kauft, möchte auf seinem Gemüse keine giftigen Pestizide. Doch was, wenn Pflanzenschutzmittel von einem benachbarten Acker herüberwehen? In Marlin (Landkreis Lüchow-Dannenberg) im Wendland ist genau das im Mai passiert. Vier Tage, nachdem ein konventionell wirtschaftender Landwirt seinen Acker gespritzt hatte, gab es einen Sandsturm - und durch den Sand wurde sein Gemüsefeld verunreinigt, sagte Bio-Bauer Robert Hahn-Godeffroy NDR 1 Niedersachsen.

Gelbe Blätter, eingehende Pflanzen

"Ein paar Tage später hat unser Gemüse Schäden gezeigt", sagte Hahn-Godeffroy. Hier gelbe Blätter, dort eingehende Pflanzen. Der Nachbarlandwirt hatte an einem windstillen Tag gespritzt, die nötigen Abstände eingehalten - dass vier Tage später ein Sandsturm kommt, konnte keiner ahnen. Hahn-Godeffroy macht ihm keine Vorwürfe. Der konventionell wirtschaftende Nachbar - er möchte anonym bleiben -, sagte NDR 1 Niedersachsen, dass es ihm aufrichtig leid tue.

Gutachterin: Der Verursacher haftet

Der Gartenbaubetrieb Godeffroys arbeitet nach einem solidarischen Prinzip, beliefert 60 Anteilseigner mit frischem Gemüse. Dadurch konnte ein größerer Schaden durch den Ernteausfall im Mai kompensiert werden. Die Mitglieder seien dabeigeblieben, hätten den Betrieb unterstützt. "Wetter, Trockenheit, alle Risiken werden mit den Mitgliedern zusammen getragen", so Hahn-Godeffroy. Um den Fall zu klären, hat der Öko-Landwirt trotzdem die Gutachterin Annette Kleineke-Borchers beauftragt. Die Sachverständige kennt viele ähnliche Fälle. Nach dem Verursacherprinzip müssten der konventionelle Landwirte oder seine Versicherung haften, sagte sie. Doch Versicherungen verlangten umfangreiche Nachweise und Gutachten - viele Geschädigte schreckten vor dem Aufwand zurück. In Fall von Hahn-Godeffroy aber haben sie bei der Versicherung einen Antrag auf Entschädigung gestellt. Eine Antwort steht noch aus.

Verband fordert restriktiven Pestizid-Einsatz

Unterstützung finden die solidarisch arbeitenden Gärtner im Bund Ökologischer Lebensmittelwirtschaft. Dieser fordert etwa strengere Zulassungsverfahren für Pestizide und dass konventionell arbeitende Betriebe diese nur als letztes mögliches Mittel einsetzen. Jährlich seien schätzungweise mehrere Hundert Bio-Landwirte betroffen.

Kommentar

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 21.06.2018 | 17:00 Uhr

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