Stand: 17.10.2016 16:31 Uhr

Obstbauern besorgt wegen SuedLink-Erdkabel

von Ines Burckhardt, NDR Info

Auf der Nord- und Ostsee wird immer mehr Strom produziert. Die Trasse SuedLink soll diesen Strom nach Süddeutschland bringen. Nach Protesten vieler Bürger gegen die riesigen Strommasten hat die Politik Ende vergangenen Jahres eingelenkt: SuedLink soll nun unterirdisch verlaufen, unter anderem auch quer durch das Alte Land in Niedersachsen. Doch viele Landwirte sind dort wegen der geplanten Erdverkabelung besorgt.

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Obstbauer Ernst Eckhof befürchtet, dass die Stromtrassen "die Hölle" werden.

Ernst Eckhof steht inmitten von Apfelbäumen. Die Ernte ist in vollem Gange, alle paar Minuten fahren Landwirte auf kleinen Treckern mit Anhängern voller Obst vorbei. Eckhof grüßt, er kennt hier jeden. Seit fast 200 Jahren baut seine Familie im Alten Land Äpfel an. Nun sollen hier Erdkabel verlegt werden. Dafür müssten Bauarbeiter den Boden zwei Meter tief und etwa 40 Meter breit aufgraben. Für Ernst Eckhof "die Hölle", wie er sagt: "Unsere Bedenken werden einfach so weggewischt. So nach dem Motto: Stellt euch mal nicht so an, das muss sich alles zeigen."

Sorge um geringere Ernte

Er habe schon ein Mal den Fehler gemacht, abzuwarten, so Eckhof - und zeigt auf drei Reihen von Bäumen, die sehr viel kleiner sind als andere daneben. Darunter liege eine Gasleitung, so Eckhof. Die wurde hier vor Jahrzehnten verlegt: "Da wächst vielleicht die halbe Erntemenge drauf. Das ist ein Paradebeispiel dafür, was passiert, wenn man den Boden hier intensiv angeht. Und das wird bei dem Erdkabel mit Sicherheit genauso passieren."

Wasserleitungssysteme sind komplex

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Johann Knabbe, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Stade, sieht Schwierigkeiten wegen der unterirdischen Drainage.

Eckhofs Kollege Johann Knabbe, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Stade, sieht noch ein anderes Problem: Um die Erdkabel zu verlegen, müsste man die Wasserrohre durchschneiden. Denn die laufen - ebenfalls unterirdisch - quer durch das Gebiet. Einfach wieder aufzubauen sei so ein Wassersystem nicht: "In bestehenden Dauerkulturen eine Drainage zu ziehen, das geht nicht. Man kann es immer nur machen, wenn die Rodung ansteht, das heißt: alle 20 bis 25 Jahre." Es sei also praktisch unmöglich.

Tennet: Bislang keine negativen Auswirkungen bekannt

In ganz Deutschland schlagen viele Landwirte Alarm: Sie fürchten nicht nur während der Bauzeit, sondern auch noch lange danach Ertragseinbußen. Der Netzbetreiber Tennet hingegen zeigt sich zuversichtlich: "Wir haben bereits 1.000 Kilometer verlegt in Norddeutschland, das geschieht im Rahmen unserer Offshore-Anbindungen. Wir haben da gute Erfahrungen. Bislang sind da keine Auswirkungen auf den Ertrag bekannt", berichtet Unternehmenssprecherin Ulrike Hörchens.

Auch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen nur geringe Auswirkungen auf die Pflanzen. Allerdings fehlt bisher eine Langzeitstudie mit verschiedenen Böden. Tennet verspricht deshalb für den Fall der Fälle Entschädigungen, so Hörchens: "Grundsätzlich kann man sagen, dass alle Schäden, die durch die Baumaßnahmen entstehen, beseitigt oder ersetzt werden."

2021 sollen die Erdkabel verlegt werden. Bis dahin werde man sich alle Sorgen der Landwirte anhören. Obstbauer Eckhof beruhigt das nicht. Er wolle keine Entschädigungen, sondern verhindern, dass sein Land zerstört wird.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 18.10.2016 | 07:38 Uhr

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