Stand: 28.02.2019 20:00 Uhr

NABU kritisiert Abschussgenehmigung für Leitwolf

Waren es erneut Leitwolf "GW717m" und sein Rudel? Bei Neustadt am Rübenberge (Region Hannover) ist in der Nacht zu Donnerstag eine Schafherde attackiert worden. Mindestens sieben Tiere sind nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen getötet worden. Unterdessen stößt die verlängerte Abschussgenehmigung für den Leitwolf auf Kritik: Der Naturschutzbund (NABU) bemängelte die Begründung des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) für die Genehmigung. Sie beziehe sich lediglich auf zwei Einzelfälle, dies reiche nicht aus und sei fachlich falsch, heißt es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Es gebe keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Fohlen und Kälber in einer Herde mit erwachsenen Tieren automatisch geschützt seien.

NABU weist auf fehlenden Herdenschutz hin

Von einzelnen Politikern und Lobbygruppen wie Landesjägerschaft und Landvolk würden teilweise Unwahrheiten verbreitet und Ängste gegenüber Wölfen geschürt, so der NABU weiter. Es gebe zwar eine Häufung von Nutztierrissen im Bereich des Rodewalder Rudels, doch diese sei in erster Linie auf einen zu geringen Herdenschutz zurückzuführen. Die Naturschützer werfen dem Land vor, dass es nach den ersten Rissen keine entsprechenden Schritte eingeleitet hat. "Wenn von einem Selbstschutz bei Herden ohne fachliche Grundlage ausgegangen wird, handelt das Land grob fahrlässig und schafft erst die Möglichkeit, dass Wölfe lernen größere Weidetiere zu reißen", sagte der NABU-Landesvorsitzende Holger Buschmann.

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Geplanter Wolfs-Abschuss: Genehmigung verlängert

Die Abschussgenehmigung für den Leitwolf aus dem Rodewalder Rudel ist bis zum 31. März verlängert worden. Das teilte das Umweltministerium mit. Der NABU kritisiert die Genehmigung. (28.02.2019) mehr

"Rudel hat gelernt"

Den Abschuss des Leitwolfes hält der NABU für wenig zielführend. "Wir glauben nicht, dass es etwas bringt, ihn zu erschießen", sagte Buschmann NDR 1 Niedersachsen. "Das Rudel hat jetzt natürlich gelernt, entsprechende Tiere zu reißen. Damit werden sie jetzt nicht von alleine aufhören." Um die Nutztierrisse zu stoppen, müssten stattdessen dringend sogenannte wolfsabweisende Maßnahmen wie der Bau von Zäunen und der Einsatz von Schutzhunden erfolgen. Es sei nachgewiesen, dass diese Wirkung zeigen. Gerade in Gebieten, in denen der Wolf schon länger ansässig ist, seien die Nutztierrisse nachweislich zurückgegangen.

Keine Stellungnahme vom Ministerium

Das niedersächsische Umweltministerium hat die Abschussgenehmigung für den Leitwolf mit der Kennung "GW717m" bis zum 31. März verlängert. "Wir werden sicherstellen, dass das richtige Tier entnommen wird", sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD). Das zum Abschuss freigegebene Tier sei an optischen Merkmalen zu erkennen, betonte Lies. Zu dem weiteren Verfahren werde er sich nicht äußern. Angesichts der Emotionalität im öffentlichen Streit um den Wolf gehe es auch darum, die Leute zu schützen, die das machen, so der Minister. Die ursprünglich vom NLWKN erteilte Genehmigung wäre am Donnerstag ausgelaufen.

Landtag debattiert über Umgang mit Wölfen

Der Umgang mit sogenannten Problemwölfen beschäftigt am Freitag auch den Landtag in Hannover am letzten Tag der Plenarwoche. Die FDP will Jägern künftig die Tötung entsprechender Tiere ermöglichen und bringt dazu den Entwurf für eine Wolfsverordnung ein. Sie sieht für auffällige Tiere eine Ausnahme vom Bundesnaturschutzgesetz vor: Wölfe, die in eine umzäunte Weide eindringen oder eine Gefahr für nicht umzäunte Nutztierherden, Siedlungen und Höfe darstellen, können demnach von Jägern abgeschossen werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 28.02.2019 | 18:00 Uhr

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