Die Statue Justitia ist im Amtsgericht Hannover zu sehen. © dpa-Bildfunk Foto: Peter Steffen/dpa

Mutmaßlicher Rechtsterrorist aus Uelzen vor Gericht

Stand: 13.04.2021 20:20 Uhr

Die Nachricht hatte vor gut einem Jahr im Norden für Aufsehen gesorgt: In der Nähe von Uelzen war ein mutmaßlicher Rechtsterrorist festgenommen worden. Heute startet der Prozess.

von Angelika Henkel, Holger Schmidt und Stefan Schölermann

Dann müssen sich Tony E. und weitere elf Männer aus dem Bundesgebiet vor dem Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart verantworten. Die Vorwürfe der Bundesanwaltschaft wiegen schwer. Der 40-jährige Tony E. soll einer von zwei Rädelsführern eines gewaltbereiten Netzwerkes gewesen sein. Als "Gruppe S." hätten die Männer Pläne entwickelt, Menschen zu töten - oder zumindest schwer zu verletzen.

Ermittler sehen "konkrete Vorbereitungen"

Ziel sei es gewesen, Terrorangriffe auf Moscheen und anderer Begegnungsstätten zu verüben - und zwar zeitgleich an mehreren Orten. So hätte nach den Vorstellungen der "Gruppe S." eine Art Bürgerkrieg ausgelöst und dadurch ein politischer Umsturz herbeigeführt werden sollen. Aus Sicht der Ermittler sollen bereits konkrete Vorbereitungen für die geplanten Gewalttaten getroffen worden sein.

Tony E. laut Anklage rechte Hand des Anführers

Tony S. aus der kleinen Ortschaft Wriedel in der Nähe von Uelzen ist aus Sicht der Ermittler die rechte Hand des Anführers. Er soll die Gruppe von Männern aus vielen Teilen der Bundesrepublik mit organisiert haben. Zusammengefunden habe man sich über eine Chatgruppe des Messengerdienstes Telegram. Das gemeinsame Ziel: Man suchte gewaltbereite Männer, die nicht davor zurückscheuten, zur Waffe zu greifen.

Keine Waffenfunde in Wriedel

Während die Polizei bei einigen der Angeklagten tatsächlich scharfe Waffen beschlagnahmte, fand sie bei Tony E. lediglich eine chemische Substanz, die zwar zunächst als Basismaterial für die Herstellung von Sprengstoff Verdacht erregte, später aber als "nicht relevant" eingestuft wurde. Der gelernte Industriekaufmann E. war nach Informationen der ARD zunächst Zeitsoldat, später als Versicherungsmakler, Bürokraft und zuletzt als Krankenpfleger in seiner Heimatregion tätig.

Vor Festnahme nicht auf Radar von Sicherheitsbehörden

Nach NDR Informationen hatten niedersächsische Sicherheitsbehörden Tony E. vor den bundesweiten Ermittlungen des Generalbundesanwalts nicht auf dem Radar. Verbindungen zu anderen mutmaßlichen Rechtsextremisten, etwa einem Reservisten der Bundeswehr, der im gleichen Ort wohnt, haben strafrechtliche Ermittlungen bisher nicht ergeben, wie die Staatsanwaltschaft Lüneburg dem NDR in Niedersachsen mitteilte.

LKA: Keine weiteren Netzwerke von Tony E. in Niedersachsen

Der Chef des niedersächsischen Landeskriminalamts (LKA), Friedo de Vries, sagte dem NDR, seine Behörde prüfe in Absprache mit dem Bundeskriminalamt und dem Verfassungsschutz stetig die Gefahrenlage. Dazu gehörten auch Analysen zum Rechtsterrorismus. "Nach unserem Kenntnisstand hat Herr E. ausnahmslos mit dieser Gruppe, die hier in Rede steht, Kontakt gehabt. Wir haben keine Anhaltspunkte dafür, dass hier ein externes, separates Netzwerk um diese Person in Niedersachsen gegeben hat", sagte de Vries.

Die Verteidiger von Tony E. wollten vor Prozessbeginn keine Stellungnahme abgeben. Der Prozess vor dem Oberlandesgericht Stuttgart ist bis August terminiert.

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An einer Straße steht ein Ortsschild mit der Aufschrift "Brockhöfe, Gemeinde Wriedel, Landkreis Uelzen". © NDR

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 13.04.2021 | 18:00 Uhr

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