Stand: 14.03.2018 14:08 Uhr

Muss "Viggo" weg? Zukunft des Kängurus offen

Seit mehr als drei Jahren lebt das Rotnackenwallaby "Viggo" bei einer Familie in Bergen (Landkreis Celle). Für Benjamin Müller, seine Lebensgefährtin Sandra Arndt und die beiden Kinder eine feine Sache. Doch der Landkreis droht ihnen, das kleine Känguru wegnehmen, sollten die Besitzer nicht die von der Behörde geforderten Auflagen erfüllen. Laut gesetzlichen Bestimmungen ist der Garten, in dem das Beuteltier wohnt, für die Art rund 50 Quadratmeter zu klein. Einigen weiteren Forderungen des Landkreises ist die Familie nach eigenen Angaben bereits nachgekommen. So hätten sie dem nacht- und dämmerungsaktiven Tier bereits Verstecke hergerichtet, sagte Müller.

Frist abgelaufen - Landkreis prüft

Inzwischen ist eine Frist des Landkreises abgelaufen bis zu der die Familie glaubhaft hatte in Aussicht stellen müssen, gewisse Forderungen bald erfüllen zu können. Neben dem größeren Terrain bedeutet das auch, dass das das Tier "vergesellschaftet" wird. Sprich: Es müssen Artgenossen her. Zusätzlich müssen Müller und seine Familie Grundwissen zur Känguru-Haltung nachweisen, beispielsweise bei einem Gespräch im Landkreis. Tatsächlich hätten die Hobby-Känguruhalter innerhalb der Frist geantwortet, so ein Landkreis-Sprecher gegenüber NDR.de. Ob sie den Bedingungen dabei entsprochen haben, wollte er jedoch nicht bestätigen. Zunächst müsse das weitere Vorgehen geprüft werden - auch, in welche Känguru-Gruppe das Tier käme, sollte es seine Besitzer verlassen müssen. Ob es dazu kommt, soll in dieser Woche noch geklärt werden. Benjamin Müller hatte zuvor beteuert, auf der Suche nach einem Haus mit einem größeren Grundstück zu sein. Auch in Sachen Zweittier habe man sich umgehört. Aber ein weiteres Wallaby sei wohl erst im Sommer verfügbar.

"Die Kinder drehen durch, wenn er weg muss"

"Viggo" stamme aus einem Tierpark in der Nähe von Karlsruhe und sei mit der Hand aufgezogen worden, erzählt Müller. Als das Tier wenige Monate alt war, starb seine Mutter. Daraufhin nahmen Müller und Arndt, die zu diesem Zeitpunkt noch in dem Tierpark gearbeitet hatte, das Tier zu sich. Das junge Rotnackenwallaby wurde von der Familie in einem Rucksack getragen, "weil wir ja keinen Beutel haben", so Müller. Sein siebenjähriger Sohn spiele mit dem Tier Fangen und Verstecken. Der vegane "Viggo", der regelmäßig mit einem speziellen Müsli gefüttert wird, gehöre zur Familie. "Die Kinder drehen durch, wenn er weg muss."

Wie geht es weiter mit Känguru "Viggo"?

Kritik vom NABU

Die Haltung im eigenen Garten sorgt bei Tierschützern für Kritik: "Ich finde es gruselig, ein Känguru zu Hause zu halten", sagte Bärbel Rogoschik, Leiterin des NABU-Artenschutzzentrums Leiferde. "Stellen Sie sich mal vor, Sie werden ihr Leben lang zu Gorillas gesperrt, ohne Kommunikation mit Artgenossen." Kängurus würden häufig entfleuchen, so Rogoschik. Dies sei ein Beleg dafür, dass Gehege nicht fachgerecht seien. "Kängurus sind absolut faszinierend, aber man kann ihnen als Laie und Privatperson nicht das bieten, was sie brauchen", betont sie.

Kängurus nicht meldepflichtig

Immer mehr Menschen würden sich ein exotisches Tier daheim halten, so Biologin Rogoschik. Wird das Tier lästig, wird es oft ausgesetzt. Mehr als 2.400 Tiere wurden 2017 im Artenschutzzentrum in Leiferde versorgt. Darunter waren mehr als 500 Reptilien, viele von ihnen beschlagnahmt aus Tierschutzgründen. Wie viele Kängurus in Niedersachsen gehalten werden, kann das Landwirtschaftsministerium nicht sagen. "Sie sind nicht meldepflichtig", hieß es dort.

Kommt "Viggo" in eine Känguru-Gruppe?

Im vergangenen Juli war das Känguru ausgebrochen und nach einem Tag mit Hilfe der Polizei wieder eingefangen worden. Danach startete das Kreisveterinäramt eine Überprüfung, ob das Tier auch artgerecht gehalten wird. Wird "Viggo" der Familie entzogen, soll eine Känguru-Gruppe für ihn gefunden werden.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 12.03.2018 | 08:30 Uhr

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