Munster: Kramp-Karrenbauer verurteilt Verhalten von Soldaten

Stand: 18.06.2021 12:29 Uhr

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat die mutmaßlichen Taten einiger Bundeswehrsoldaten aus Munster bei einer Nato-Mission in Litauen scharf verurteilt.

"Wir hören von sexueller Nötigung und von systematischem Mobbing, von Unregelmäßigkeiten im Umgang mit Munition, wir hören von antisemitischen Äußerungen, von Liedern aus der Nazi-Zeit", sagte sie vor dem Offiziersnachwuchs der Führungsakademie in Hamburg. Die Verfehlungen würden mit "aller Schärfe verfolgt und geahndet" werden - "bis hin zur Entfernung der verantwortlichen Personen aus der Bundeswehr".

"Gefährden den Einsatz aller Kameraden"

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer steht an einem Redepult bei der CDU-Klausurtagung in Hamburg am 18. Januar 2020 © imago images/Chris Emil Janßen
Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) zeigte sich entsetzt über die Vorfälle. (Archivbild)

Kramp-Karrenbauer rief außerdem die Vorgesetzten dazu auf, erste Verteidigungslinie gegen Extremismus und Verfehlungen zu sein. "Ich appelliere an Sie alle: Schauen Sie genau hin, seien Sie konsequent, lassen Sie nichts durchgehen und verschweigen Sie nichts", sagte sie. Mit ihren Verfehlungen würden sie den Einsatz und die Leistungen aller ihrer Kameradinnen und Kameraden und den guten Ruf Deutschlands gefährden, so die Ministerin weiter.

Verteidigungsausschuss beruft Sondersitzung ein

Wie ein Bundeswehrsprecher am Donnerstag bestätigte, ist der Einsatz der etwa 20 Soldaten des betroffenen Panzergrenadierzugs frühzeitig beendet worden. Die Vorfälle in Litauen sollen in der kommenden Woche Thema in einer Sondersitzung des Verteidigungsausschusses sein. Dort erwarten auch die Abgeordneten der Großen Koalition von CDU und SPD Aufklärung über die Vorgänge. Es könne nicht sein, dass immer einige Wenige den tadellosen Ruf der Bundeswehr in den Schatten stellten, sagte etwa der verteidigungspolitische Sprecher der Union, Henning Otte.

Strack-Zimmermann: Solche Akteure nicht zum Dienst zulassen

Noch drastischer formuliert es die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP, Agnes Strack-Zimmermann. Für sie sind die beteiligten Soldaten schlicht "Idioten, die alle anderen in Misskredit bringen". Sie fordert Mechanismen, dass solche Akteure gar nicht erst für den Dienst zugelassen werden. Der Verteidigungspolitiker der Grünen, Tobias Lindner, will wissen, was die Vorgesetzten von den Vorfällen wussten und warum kein anderer Soldat Meldung gemacht hat.

Rassistischen Beleidigungen, sexuelle Nötigung

Insgesamt werden zehn Soldaten verdächtigt, an den Vorfällen beteiligt gewesen zu sein. Vier gelten als Hauptbeschuldigte. Es heißt, dass die Bundeswehr sie auch entlassen will, falls sich die Vorwürfe bestätigen.

569 Schuss Munition fehlen

Außerdem sollen 569 Schuss Handwaffenmunition verschwunden sein. Das allerdings steht offenbar nicht im Zusammenhang mit den Vorfällen. Die Panzergrenadiere waren erst wenige Wochen in Litauen, bis es zu den mutmaßlichen Vorfällen kam. Jetzt ist der ganze Zug zurück nach Munster beordert worden.

Weitere Informationen
Soldaten der Bundeswehr bei einer Übung in Munster. © Picture Alliance Foto: Philipp Schulze

Exzesse in Litauen: Soldaten aus Munster unter Verdacht

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.06.2021 | 18:00 Uhr

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