Stand: 19.12.2017 07:58 Uhr

Munster: Drogen nicht Grund für Tod des Soldaten

Fünf Monate nach dem Tod eines Bundeswehrsoldaten in Munster ist die Ursache weiter unklar. Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels, kritisierte auf NDR Anfrage, dass noch immer kein Untersuchungsergebnis vorliege. Die genaue Todesursache müsse dringend ermittelt werden, forderte Bartels. Ein junger Offiziersanwärter war am 19. Juli 2017 bei einem Marsch zusammengebrochen und zehn Tage später gestorben. Ein weiterer Soldat wird bis heute medizinisch betreut, zwei weitere Kameraden haben sich nach Auskunft der Bundeswehr von ihren Zusammenbrüchen erst nach einer Reha erholt. Die Umstände sind unklar, die Staatsanwaltschaft Lüneburg ermittelt. Ein rechtsmedizinischer Abschlussbericht wird nun im Januar erwartet. Danach wollen die Anwälte entscheiden, ob sie weiter ermitteln. Nach ersten Untersuchungen hatten die jungen Männer einen Hitzschlag erlitten. Bei dem Verstorbenen soll laut Obduktionsbericht ein Multiorganversagen im Zusammenhang mit einer Blutvergiftung die Todesursache gewesen sein.

Gutachten: Drogen waren nicht der Grund

Zuletzt war ein Teilgutachten der rechtsmedizinischen Untersuchung in der vergangenen Woche bekannt geworden: Nach Angaben der Staatsanwaltschaft zeigt dies, dass Drogen oder andere Substanzen nicht der Grund für den Tod des Mannes waren. Diese Spekulation war im August aufgekommen. Offen ist, ob die Staatsanwaltschaft andere Anhaltspunkte findet, aufgrund derer sie Anklage erhebt. Die Bundeswehr geht nach Angaben eines Sprechers gegenüber dem NDR weiter davon aus, dass alle kollabierten Soldaten einen Hitzschlag erlitten haben. Die Soldaten hatten laut internem Bericht zwar zu viel Marschgepäck bei sich, weswegen die Bundeswehr in einem vorläufigen Abschlussbericht Ende August Fehler eingeräumt hatte. Die Ursache für den Tod des jungen Mannes sowie den Kollaps von drei weiteren Soldaten sei dies aber - laut Bundeswehr - nicht gewesen.

Wehrbeauftragter fordert Aufklärung

Die Rolle der Ausbilder und deren Behandlung der Rekruten gilt weiter als zentrale Frage. Hans-Peter Bartels (SPD), Wehrbeauftragter des Bundes, hatte nach den Ereignissen im Sommer von "schikanösen Tendenzen" gesprochen. Diesen Vorwurf will er heute nicht mehr wiederholen. Die Truppe nimmt Bartels dennoch in die Pflicht. Dass durch das Teilgutachten ausgeschlossen werde, dass der Rekrut Substanzen genommen habe, reiche nicht aus. "Was nicht sein kann ist, dass am Ende rauskommt: So etwas kann immer mal passieren. Wir wissen auch nicht woran es gelegen hat", sagt Bartels gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Gleichwohl betont der Wehrbeauftragte, dass Genauigkeit bei der Aufklärung vor Schnelligkeit gehe.

Linken-Politiker wirft Bundeswehr "Salami-Taktik" vor

Deutlich ungeduldiger als Bartels ist Alexander Neu. Der Obmann der Linken im Verteidigungsausschuss des Bundestages erhebt Vorwürfe gegen die Bundeswehr: Demnach spreche einiges dafür, dass die Soldaten in Munster stärker rangenommen worden seien, als die Truppe bislang eingeräumt habe. Linken-Politiker Neu wirft der Bundeswehr in diesem Zusammenhang eine "Salami-Taktik" vor; es würde nur das "scheibchenweise" eingeräumt werden, "was man nicht mehr verheimlichen kann", so Neu.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.12.2017 | 07:00 Uhr

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