Stand: 10.10.2018 14:23 Uhr

Mord an bulgarischer Journalistin: Festnahme in Stade

Im Fall der ermordeten bulgarischen Journalistin Viktoria Marinowa ist ein Verdächtiger in Stade festgenommen worden. Der mit dem Auto in die Bundesrepublik geflohene 20-Jährige sei am Dienstagabend gefasst worden, bestätigte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Mittwoch. Zielfahnder des Landeskriminalamtes hätten den Mann in Stade aufgespürt, ein Mobiles Einsatzkommando (MEK) habe ihn kurze Zeit später festgenommen. Marinowas Leiche war einem TV-Bericht zufolge am Sonnabend in einem Park am Donauufer von Russe entdeckt worden. Der unbekannte Täter habe die Journalistin demnach geschlagen, vergewaltigt und dann erwürgt.

20-Jähriger wird Haftrichter vorgeführt

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LKA-Präsident de Vries (rechts) lobte die Zusammenarbeit der Behörden.

Der Mann sei unbewaffnet gewesen und habe keinen Widerstand geleistet. Die Festnahme sei dem Innenministerium zufolge in der Wohnung von Familienangehörigen erfolgt. Nach NDR Informationen soll die Mutter des Festgenommenen in Stade leben. Die Identität des 20-Jährigen sei von bulgarischer Seite bestätigt worden, nach dortigen Informationen soll er allerdings 21 Jahre alt sein. Nun soll er noch am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt werden, das Auslieferungsverfahren laufe. Mit einer Entscheidung sei in wenigen Tagen zu rechnen.

Der Präsident des Landeskriminalamtes, Friedo de Vries, lobte die beteiligten Einsatzkräfte: "Trotz des bedrückenden Anlasses ist das ein hervorragendes Beispiel, wie gut die länderübergreifende Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden in Europa funktionieren kann: Von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Festnahme sind nur wenige Stunden vergangen."

DNA-Material des Tatverdächtigen an der Leiche

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Bei einer Mahnwache in Sofia haben Menschen in dieser Woche an die getötete Journalistin erinnert.

Der Festgenommene stamme aus der bulgarischen Stadt Russe und sei polizeibekannt, sagte Bulgariens Innenminister Mladen Marinow am Mittwoch in Sofia. "Wir verfügen über genug Beweise, die diese Person mit dem Ort des Verbrechens und dem Opfer in Verbindung bringen", sagte er. Man habe DNA-Material des Verdächtigen an der Leiche identifiziert. In seiner Wohnung in Russe sei zudem Marinowas Handy gefunden worden, berichtete der private Fernsehsender bTV unter Berufung auf eigene Quellen. Laut bulgarischen Medienberichten soll es zwischen mutmaßlichem Täter und Opfer keine persönliche Verbindung gegeben haben.

Marinowas letztes Thema: Betrug mit EU-Fördergeldern

In der jüngsten Ausgabe der von Marinowa moderierten Investigativsendung ging es um einen angeblichen Betrug mit EU-Fördergeldern. Nach Angaben des bulgarischen Innenministers besteht nach derzeitigem Ermittlungsstand allerdings kein Zusammenhang zwischen der Tat und der Arbeit der Journalistin: "Die Beweise, die wir derzeit haben, lassen auf einen spontanen Angriff schließen, um das Opfer sexuell zu missbrauchen."

Tagesschau.de
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Bulgarische TV-Journalistin getötet

Die bulgarische Investigativ-Journalistin Viktoria Marinova ist vergewaltigt und getötet worden. Ihre Leiche wurde in einem Park gefunden. Mehr dazu auf Tagesschau.de. (08.10.2018) extern

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 10.10.2018 | 10:00 Uhr

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