Stand: 05.09.2016 07:39 Uhr

Lüneburg gedenkt der Opfer der NS-Psychiatrie

Mit einer Gedenkfeier hat die Euthanasie-Gedenkstätte Lüneburg am Sonntag an die Opfer der NS-Psychiatrie erinnert. Dabei wurde auf dem Friedhof Nord-West vor rund 150 Teilnehmern eine neue Informationstafel zur Geschichte des ehemaligen Anstaltsfriedhofs der früheren Landes-Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg enthüllt. Die im August 2013 auf dem Friedhof eingerichtete kleine Gedenkanlage soll unter anderem daran erinnern, dass zwischen 1941 und 1945 in Lüneburg rund 350 geistig oder körperlich behinderte Kinder aus ganz Norddeutschland ermordet wurden. Die in der Nähe des Friedhofs gelegene Anstalt war die einzige niedersächsische Psychiatrie mit Kinderfachabteilung, in der das NS-Regime Kinder gezielt töten ließ.

Gedenken an Euthanasie-Opfer der NS

Gedenken an getötete Erwachsene

Im Mittelpunkt der diesjährigen Feier stünden jedoch "vergessene Opfer", sagte Gedenkstättenleiterin Carola Rudnick. Dazu gehörten erwachsene Patienten, die mit Medikamenten ermordet wurden und Patienten, die verhungerten. "Wir müssen davon ausgehen, dass auch erwachsene Anstaltspatienten in Lüneburg mit Medikamenten ermordet wurden und sich diese Form des Tötens nicht auf die sogenannte 'Kinderfachabteilung' beschränkte", sagte Rudnick. Im Vergleich zu anderen Anstalten sei die Sterberate in Lüneburg überdurchschnittlich hoch gewesen. Das lasse sich nur durch eine Beteiligung an der sogenannten "dezentralen Euthanasie" erklären.

Ausstellung zur Zwangssterilisation geplant

Bei der Veranstaltung wurde außerdem an die Frauen und Männer erinnert, die ab 1934 per Gerichtsurteil gegen ihren Willen unfruchtbar gemacht wurden. Ihnen soll voraussichtlich ab Januar nächsten Jahres eine Sonderausstellung zum Thema "Zwangssterilisation in Lüneburg" gewidmet werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 05.09.2016 | 06:30 Uhr

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