Stand: 16.09.2020 20:54 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Lüneburg: Wehrmachtsdenkmal bekommt Zusatztext

Der Gedenkstein für die 110. Infanterie-Division der Wehrmacht steht mit Beton unkenntlich gemacht und beschmiert in einer Grünanlage. © picture alliance Foto: Philipp Schulze
Stein des Anstoßes: der Gedenkstein für die 110. Infanterie-Division der Wehrmacht in Lüneburg. Jetzt gibt es eine Einigung. (Archivbild)

Das umstrittene Ehrenmal für die 110. Infanterie-Division der Wehrmacht nahe der Lüneburger Innenstadt erhält eine neue Infomationstafel. Darauf haben sich Angehörige von Holocaust-Überlebenden und die Stadt am Mittwoch vor dem Verwaltungsgericht geeinigt. Der Textzusatz soll betonen, dass die Wehrmachtssoldaten mit Kriegsverbrechen unmittelbar am Völkermord der Nationalsozialisten an den Juden in der damaligen Sowjetunion beteiligt waren. Die Stadt hatte dies im Verlauf der Verhandlung angeboten. Wann das neue Erklärschild aufgestellt wird, ist noch unklar. Ebenso, wie mit dem Ehrenmal selbst verfahren werden soll. Verhüllt, wie es die Kläger immer wieder gefordert hatten, wird es nun erst mal nicht.

VIDEO: Einigung im Rechtsstreit um Wehrmachtsgedenkstein (1 Min)

Holocaust-Überlebender wurde 2015 auf Gedenkstein aufmerksam

Einer der drei Kläger, ein in Budapest lebender Holocaust-Überlebender, hatte laut Gericht 2015 den Prozess gegen den NS-Mann Oskar Gröning in Lüneburg als Nebenkläger verfolgt. Bei diesem Besuch sei er auf den Gedenkstein aufmerksam geworden und habe das Verfahren ins Rollen gebracht. Zu den weiteren Klägern gehörten ein Mann aus London und eine Frau aus Laatzen in der Region Hannover.

Mindestens 9.000 Zivilisten getötet

Das Denkmal war 1960 von früheren Mitgliedern der Wehrmacht aufgestellt worden. Die 110. Infanterie-Division, auf die es verweist, hatte nach Erkenntnissen von Historikern 1944 unter anderem im heutigen Belarus mindestens 9.000 Zivilisten getötet. Im Zweiten Weltkrieg war das damalige Weißrussland rund drei Jahre von 1941 bis 1944 von deutschen Truppen besetzt. Von den etwa 10,6 Millionen Einwohnern seien rund 2,2 Millionen Zivilisten und Kriegsgefangene während der deutschen Besatzung ermordet worden, schreibt der Historiker Christian Gerlach in seinem Buch "Kalkulierte Morde".

Weitere Informationen
Ein Paar steht vor einem Gedenkstein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 16.09.2020 | 13:30 Uhr

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