Stand: 25.03.2017 08:00 Uhr

Lokführer sind Mangelware - Woran liegt's?

Lokomotivführer als Traumberuf? Das klingt nach Jim Knopf und einer vergangenen Zeit. Und so haben die Bahnbetriebe heute starke Probleme, Nachwuchs zu finden, der sich im Schichtdienst ins Führerhäuschen setzen mag. Wenn dann mehrere Lokomotivführer gleichzeitig ausfallen, ist der Grund für den Zugausfall schon mal Krankheit und nicht Getriebeschaden. In Niedersachsen sind im vergangenen Jahr knapp 850.000 Zugkilometer Regionalverkehr ausgefallen, einige davon auch wegen Krankheit.

Selbst Leih-Lokführer sind knapp

Direkt hinter dem Bahnhof von Uelzen hat Andreas Panczyk sein Büro. Er ist Lokomotivführer und Betriebsrat bei Metronom, einem der größten privaten Eisenbahnunternehmen in Deutschland. Seit 30 Jahren ist er schon Lokführer, sein Vater war einer, sein Großvater ebenfalls. Sein Sohn wird nun mit der Tradition brechen und wird Mechatroniker. An ihm zeigt sich der Wandel. "Wir suchen händeringend Lokführer. Es gibt Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, Lokführer auszuleihen, doch selbst bei denen bekommen wir keine mehr."

"30, 40 Überstunden im Monat"

Momentan sind elf Stellen offen. Deutschlandweit spricht die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) von 800 bis 1.000 fehlenden Kollegen. Wenn für einen krank gewordenen Lokführer kein Ersatz gefunden werden kann, dann muss ein Zug eben einfach ausfallen. Dabei arbeiten die meisten schon mit Überstunden: "30, 40 im Monat", berichtet Panczyk. "Es gibt schon Kollegen, die so viele machen. Im Durchschnitt würde ich sagen, um die zehn hat fast jeder. Es gibt auch Kollegen, die über die 40 noch hinausgehen, aber dann greifen auch die Betriebsvereinbarungen und da wird auch hier streng drauf geachtet."

Deutsche Bahn "kann kurzfristig ausgleichen"

In Schleswig-Holstein sind im vergangenen Jahr nicht so viele Züge ausgefallen wie in Niedersachsen: 0,5 Prozent im Vergleich zu 1,9 Prozent. "Das hängt maßgeblich damit zusammen, dass in Niedersachsen sehr viel mehr Eisenbahnverkehrsunternehmen unterwegs sind als in Schleswig-Holstein", erklärt Hartmut Petersen von der GDL im Bezirk Nord. "Hier ist hauptsächlich die Deutsche Bahn unterwegs. Die hat noch einen guten Personalbestand und kann auch mal kurzfristig ausgleichen in der Fläche."

GDL sieht Krankheit durch Überlastung

Kleineren Unternehmen mit weniger Personal falle das häufig schwerer. Hier wirke sich der Personalmangel unmittelbarer auf den Zugfahrplan aus. "Dadurch ist das vorhandene Personal überbelastet. Damit kommt natürlich auch ein erhöhter Krankenstand zustande", sagt Petersen. "Hier fehlt es eindeutig an einer vernünftigen Personalplanung oder auch Bereitschaften, die vorgehalten werden, damit Zugausfälle nicht unbedingt in diesem Maße passieren."

Unternehmen weisen permanente Überlastung zurück

Sowohl Metronom und Nordwestbahn als auch DB Regio weisen diesen Vorwurf zurück: Alle Arbeitseinsätze liefen innerhalb des tariflichen Rahmens und seien mit dem Betriebsrat abgestimmt. Der Job des Lokomotivführers sei durchaus ein anspruchsvoller, aber von einer permanenten Überbelastung könne keine Rede sein.

Dienste zu jeder Uhrzeit - das schlaucht

Ähnlich sieht das auch Andreas Panczyk. Trotzdem weiß er auch um die Strapazen seines Berufs - zu arbeiten, wenn die meisten anderen noch schlafen. "Das heißt dann zum Beispiel, die fahren um drei oder um vier Uhr von Uelzen Richtung Hamburg. Der Zug muss noch vorbereitet werden, das macht auch der Lokführer, in der Regel eine Stunde vorher. Dienstbeginn gegen zwei Uhr - was kann man daran attraktiver machen?"

Am Geld liege es nicht, sagt er. Gut 2.600 Euro plus Zulagen als Einstiegsgehalt seien ordentlich. Die Hoffnung, dass sein Sohn sich noch umentscheidet, hat er übrigens nicht aufgegeben: Der könne sich ja auch später noch umschulen lassen.

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NDR Info | 25.03.2017 | 07:38 Uhr

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