Stand: 03.12.2019 17:17 Uhr

Lies will Dethlinger Teich komplett sanieren

Knapp sechs Wochen nach Beginn der Erkundungsarbeiten am Dethlinger Teich im Heidekreis wird deutlich, wie enorm das Ausmaß der dort verschütteten Munitionsreste ist. "Von der Dimension der Menge der Granaten, die dort zu finden sind, sind wir schon überrascht", sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD) am Montag gegenüber dem NDR. Es sei mit mehr als 10.000 Granaten zu rechnen. Weil dort auch Nervengifte zu finden seien, müsse man sehr vorsichtig vorgehen. Lies hat den Umweltausschuss informiert, er will das Gelände komplett sanieren. "Wir können nicht einfach einen Deckel draufmachen und hoffen, dass nichts Schlimmes passiert", sagte er. Er schätzt, dass die Sanierung zwei bis drei Jahre dauern und rund 50 Millionen Euro kosten wird. Bei der Frage danach, wer für die Kosten aufkommt, setzt Lies auf ein Einvernehmen mit dem Bund.

Bergung von Granaten

Munition: Dethlinger Teich soll saniert werden

Hallo Niedersachsen -

Experten schätzen, dass im Dethlinger Teich bei Munster rund 100.000 Granaten liegen, die Nervengifte enthalten. Umweltminister Lies will das Gelände komplett sanieren.

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Mehr Kosten und mehr Zeit

Nach Angaben einer Sprecherin des Heidekreises wurden bis Donnerstag 1.006 Granaten geborgen. Alle bisher gefundenen Geschosse seien mit chemischen Kampfstoffen gefüllt, hätten aber keinen Zünder gehabt. Das Ausmaß der Funde wirke sich auf die Kosten der eigentlichen Probebohrung aus. Die von Land und Kreis zugeteilten 3,6 Millionen Euro seien bereits aufgebraucht. Weitere 1,6 Millionen Euro seien laut Verwaltung nötig, berichtet die "Böhme-Zeitung". "Der Landkreis wird das allein nicht stemmen können", sagte der Erste Kreisrat Oliver Schulze der "Böhme-Zeitung". Dem Zeitplan hinken die Arbeiten bereits hinterher, wie der Landkreis Mitte November einräumte. Die mehr als sechs Meter tiefe Probebohrung sollte eigentlich bis Weihnachten abgeschlossen sein. Bislang sei man aber erst bei einer Tiefe von dreieinhalb Metern.

Größte Kriegswaffen-Halde Deutschlands

Der Dethlinger Teich, etwa drei Kilometer südöstlich von Munster gelegen, gilt als eine der größten Kriegswaffen-Halden der Bundesrepublik. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden hier Hunderte Tonnen Granaten und Giftgasbehälter verklappt. Seit 1952 ist der Teich mit einer Deckschicht aus Betonschutt und Boden versiegelt. Im September war der Teich geöffnet worden. Experten sollen prüfen, welche Gefahren von dort ausgehen. "Wenn die Arbeiter an die Wand der Bohrung schauen, sehen sie nur Granaten", sagte Friedrich-Wilhelm Otte, zuständiger Fachmann des Heidekreises, der "Böhme-Zeitung".

Sieben-Quadratmeter-Bohrung unter 600-Quadratmeter-Zelt

Der Teich hatte einen Durchmesser von rund 60 Metern. Wie weit sein gefährlicher Inhalt genau in den Boden reicht, ist unklar. Für die Arbeiten wurde ein etwa 600 Quadratmeter großes Zelt am Waldrand zwischen Oerrel und Dethlingen aufgebaut. Unter dem Zelt befindet sich das Loch in einer etwa 30 Zentimeter dicken Betondecke. Drumherum wurden Splitterschutzmauern und Erdwälle errichtet. Ein Notarzt ist vor Ort. Eine zunächst geltende Einschränkung, dass nur bei Westwind gearbeitet wird, wurde "bis auf Weiteres" aufgehoben, wie der Landkreis Mitte November mitteilte. Eine Gefährdung der Bevölkerung außerhalb der Sperrzone werde ausgeschlossen, hieß es.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.12.2019 | 08:00 Uhr

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