Stand: 20.07.2015 17:41 Uhr  - Niedersachsen 18.00

Es bleibt dabei: Elbfähre statt Elbbrücke

von Ina Kast

Die seit mehr als 20 Jahren geplante Brücke über die Elbe im Landkreis Lüneburg wird nicht gebaut. Das hat der Kreistag in Lüneburg am Montag erwartungsgemäß beschlossen, wie eine Sprecherin des Landkreises mitteilte. Die Brücke sollte die Gemeinde Amt Neuhaus am nördlichen Elbufer mit dem Süden verbinden. Während diese Entscheidung für viele Menschen in der Region ein herber Schlag ist, sichert sie den ohne Zweifel schönen Arbeitsplatz von Andreas Kampka. Der 52-Jährige ist Kapitän der Elbfähre "Tanja" und bringt jeden Tag Menschen vom Elbufer in Neu Darchau (Landkreis Lüchow-Dannenberg) an das andere Ufer bei Darchau in der Gemeinde Amt Neuhaus (Landkreis Lüneburg).

Zwei Herzen schlagen in Kampkas Brust

Nach dem Aus für die Brücke bleibt der Weg mit der Fähre weiterhin die schnellste Möglichkeit, um die Elbe bei Neu Darchau zu überqueren. Für Kampkas Job als Kapitän der Fähre ist das Brücken-Aus gut. "Wenn die Brücke gebaut worden wäre, hätte ich mir wohl einen anderen Job suchen müssen", sagt er. So richtig freuen kann sich Kampka trotzdem nicht. Als Anwohner der Gemeinde Amt Neuhaus - die früher zur DDR gehörte - weiß er, dass sich viele Menschen im Ort seit 22 Jahren eine Brücke wünschen: "Für das soziale Leben im Amt Neuhaus wäre diese Verbindung rüber nach Neu Darchau total wichtig gewesen." Außerdem seien viele auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule auf die Fähre angewiesen. Für sie wäre der Brückenbau eine große Erleichterung gewesen. Ob die politischen Entscheider der SPD, der CDU oder anderen Parteien angehören, sei egal. "Traurig ist, dass es der Landkreis in 22 Jahren nicht geschafft hat, diese Brücke zu bauen", findet der Kapitän.

"Brücke der Herzen" wird zu "Brücke des Verstandes"

Der Hauptgrund für das Ende der Brücken-Träume sind die explodierenden Kosten: Ursprünglich waren die Gesamtkosten für den Brückenbau auf 45 Millionen Euro beziffert worden. Neue Schätzungen gehen dagegen von rund 60 Millionen Euro aus. "Wir können uns das als Landkreis einfach nicht leisten", sagt Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt (SPD). Der Landkreis müsste nach aktuellem Stand 30 Millionen Eigenanteil stemmen und das sei nicht finanzierbar. Nahrstedt betonte, dass er selbst vor 22 Jahren nicht im Kreistag saß. Damals sei es für die Menschen eine "Brücke des Herzens" gewesen, heute müsse man an eine "Brücke des Verstandes" denken. "Ich glaube, den Bürgerinnen und Bürgern im Amt Neuhaus ist es wichtiger, nun endlich die Wahrheit zu erfahren, als noch mal fünf Jahre hingehalten zu werden", so der Landrat weiter.

Brückenbefürworter demonstrieren vor der Ritterakademie

Bevor die Sitzung begann, haben 80 Brückenbefürworter mit einem eigens komponierten und getexteten Lied ihrem Unmut musikalisch Ausdruck verliehen. "Versprochen wurde die Brücke uns seit 22 Jahren. Doch bisher haben wir nur Aufschub erfahren", lautete eine Songzeile. Der Förderverein "Brückenbauen" will weiter für die Brücke kämpfen. Ohne die Brücke über die Elbe sei die Gemeinde Amt Neuhaus vom restlichen Niedersachsen abgehängt, kritisieren die Befürworter. Sie fordern deshalb, alternative Pläne zur Finanzierung zu prüfen. Politische Unterstützung bekommen sie von der CDU und der Linken.

Knapp 50 Prozent der Bürger für Brückenbau um jeden Preis

Im Januar 2013 hatten sich 28,1 Prozent der Befragten klar gegen den Bau der Brücke in Neu Darchau positioniert, weitere 22,4 Prozent lehnten die Brücke ab, sollte der Eigenanteil für den Landkreis Lüneburg über zehn Millionen Euro liegen. Diese Kostengrenze würde nun deutlich überschritten werden. Deshalb ist auch Landrat Nahrstedt nun gegen die Brücke. "Ich wollte die Brücke, aber nicht zu jedem Preis", sagt er. Auch Naturschützer sind gegen den Bau, weil sie fürchten, dass dadurch die idyllische und ökologisch wichtige Elbtalaue Schaden nehmen könnte.

Mecklenburg-Vorpommern will Brücke nicht mitfinanzieren

Nahrstedt hatte das Land Mecklenburg-Vorpommern gebeten, eine finanzielle Beteiligung zu prüfen. Im April kam die Absage aus Schwerin. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols hatte vorgeschlagen, auf den Fonds "Deutsche Einheit" zurückzugreifen. Das sei aber nicht möglich, so Nahrstedt. "Die Brücke würde zwischen zwei niedersächsischen Landkreisen gebaut werden, das haben wir selbstverständlich geprüft." Schon vor der Abstimmung hatten die Mitglieder des Wirtschafts-und Straßenbauausschusses dem Kreistag empfohlen, den Bau der Brücke zwischen Darchau und Neu Darchau nicht mehr weiter zu verfolgen. Dieser Empfehlung ist der Kreistag gefolgt.

Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 20.07.2015 | 18:00 Uhr

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