Stand: 19.12.2018 12:34 Uhr

Krebsrate in Bothel: Noch keine Klarheit

Bothels Bürgermeister Dirk Eberle begrüßt die Pläne des Gesundheitsministeriums, mögliche Zusammenhänge zwischen der Erdgas- und Erdölförderung und Krebserkrankungen in weiteren Studien zu untersuchen. Zudem bekräftigte Eberle die Entscheidung des Samtgemeinderats, gegen ExxonMobil zu klagen. Exxon-Mobil will im Frühjahr eine Entsorgungsanlage für Abfälle aus der Erdgasförderung im Gemeindeteil Bellen bauen. Eine Genehmigung des Landesbergamts gibt es bereits. "Solange nicht klar ist, ob und wie gefährlich solche Anlagen sind, wollen wir die nicht in unserer Gemeinde haben", sagte der Bürgermeister jedoch. Jetzt muss das Verwaltungsgericht Stade entscheiden.

Überdurchschnittlich viele Männer an Blutkrebs erkrankt

Am Dienstag waren die Ergebnisse einer Studie im Auftrag des Gesundheitsministeriums bekannt geworden, der zufolge in der Nähe der Erdgasförderstätten in Bothel und in der Kreisstadt Rotenburg überdurchschnittlich viele Männer an Blutkrebs erkrankt sind. Es hatte zuvor Hinweise darauf gegeben, dass Betroffene vor allem in der Nähe von Bohrschlammgruben leben. Daraufhin hatte das Ministerium 15 Landkreise in Niedersachsen näher in den Blick genommen, in denen Erdgas- und Erdöl gefördert wird.

Keine Auffälligkeiten in anderen Regionen

In anderen untersuchten Erdgas- und Erdölförderregionen im Land konnten die Experten dagegen keine Auffälligkeiten feststellen. Deshalb sieht die Studie insgesamt keinen Zusammenhang zwischen der Nähe des Wohnorts zu Erdöl- und Erdgasfördereinrichtungen in Niedersachsen und der Häufung von Krebserkrankungen. Statistischer Zufall oder sich von anderen Standorten der Gasförderung unterscheidende Faktoren könnten diese Unterschiede erklären. Bei weiteren Analysen sei aufgefallen, dass krebskranke Frauen öfter in der Nähe von Erdgasförderanlagen leben. Warum ausgerechnet in der Samtgemeinde Bothel besonders viele Männer betroffen sind, ist laut Studie unklar.

Folgestudie soll klären: Was sind die Ursachen für die Krebsfälle?

Die Untersuchung des Gesundheitsministeriums kann daher keine Aussagen zu konkreten Ursachen oder auslösenden Faktoren für Krebserkrankungen liefern. Daher müsse jetzt weiter untersucht werden. "Viele Menschen, die in der Nähe von Förderanlagen wohnen, sind besorgt und das kann ich gut verstehen", sagte Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD). "Wir wollen ausschließen, dass es auslösende Faktoren gibt, die bislang noch nicht beseitigt wurden." Daher lässt das Ministerium bereits untersuchen, wie stark Menschen belastet sind, die im Umfeld von Anlagen der Kohlenwasserstoffförderung leben. Mit diesen Ergebnissen werde im kommenden Jahr gerechnet.

Deutschlands größtes Erdgasvorkommen

Bereits seit vielen Jahren wird im Landkreis Rotenburg und den umliegenden Gebieten Erdgas gefördert - hier lagert Deutschlands größtes Erdgasvorkommen im Boden. Immer wieder war es zu Zwischenfällen mit austretendem Lagerstättenwasser, aber auch mit Erdbeben gekommen.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 19.12.2018 | 17:00 Uhr

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