Stand: 01.09.2017 14:30 Uhr

Konsequenzen nach Soldaten-Tod - aber welche?

Nachdem ein Offiziersanwärter im Juli nach einem Marsch in Munster gestorben ist, hat sich Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen zu den Vorkommnissen geäußert. In einem Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (Freitagsausgabe) räumte sie ein, dass am Tag des Marsches "nicht alles korrekt ablief". Sie versicherte außerdem, dass die Bundeswehr die richtigen Schlussfolgerungen ziehen wolle, damit sich ein solcher Vorfall nicht wiederholt. Ankündigungen zu echten Konsequenzen blieb die Ministerin derweil schuldig. Die Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen. Die bei der Bundeswehr eingesetzte Untersuchungsgruppe hatte am Donnerstag ihren vorläufigen, 45-seitigen, Abschlussbericht vorgelegt. Auch hier werden offen Fehler eingeräumt: Führungskräfte am Ausbildungszentrum Munster hätten falsche Entscheidungen getroffen. Diese hätten zu den Gesundheitsproblemen beigetragen. Die Ursache für den Tod des jungen Mannes sowie den Kollaps von drei weiteren Soldaten seien sie aber nicht gewesen. Die vier Männer hatten einen Hitzschlag erlitten.

"Schikanöse Tendenzen"

"Die Ursachen, die zum Tode des Offizieranwärters (OA) und zu den schwerwiegenden Erkrankungen von drei weiteren Soldaten führten, konnten bislang nicht vollständig aufgeklärt werden", betont die Bundeswehr. Laboruntersuchungen von Proben aus den Spinden der Soldaten hätten keinen Anhaltspunkt auf Rausch- oder Aufputschmittel ergeben, so der Bericht. Dennoch: Bei der Vorbereitung und im Verlauf der Ausbildung seien "mehrfach nicht sachgerechte - in einem Fall auch weisungs-/vorschriftenwidrig - Entscheidungen getroffen und Maßnahmen angewandt" worden. Kritik am Verhalten der Ausbilder kommt auch vom Wehrbeauftragten des Bundestags, Hans-Peter Bartels (SPD). Zusätzliche Märsche in voller Montur als erzieherische Maßnahme seien zu diesem frühen Zeitpunkt der Offiziersausbildung vollkommen unangemessen, so Bartels. Ferner spricht er von "schikanösen Tendenzen", weil einige Rekruten während des Marsches Liegestütze machen mussten.

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Mitteilung der Bundeswehr zum Untersuchungsbericht

Die Bundeswehr äußert sich zum vorläufigen Abschlussbericht der Untersuchungsgruppe, die sich mit dem Tod eines Soldaten und der Erkrankung von drei weiteren beschäftigt hat. extern

Zu warm angezogen

Bartels habe zudem Hinweise, dass der Ton der Ausbilder den Rekruten gegenüber nicht angemessen gewesen sei. Der Wehrbeauftragte glaubt, dass den Offiziersanwärtern deswegen eventuell nicht bewusst war, dass es an diesem Tag ausschließlich darum ging, sich an die körperliche Ausbildung zu gewöhnen. Möglicherweise hätten sich einige Soldaten deshalb nicht getraut abzubrechen, als sie ihre Leistungsgrenze erreicht hatten. Im vorläufigen Abschlussbericht wird unter anderem auch bemängelt, dass die Kleidung der Soldaten am 19. Juli, dem Tag des Marsches, den hohen Temperaturen nicht angemessen gewesen sei. Das Tragen eines Helms beim sogenannten Eingewöhnungsmarsch habe zudem Weisungen widersprochen. Darüber hinaus fehle im geltenden Regelwerk eine verpflichtende Belehrung "einschließlich Vermeidung Hitze-/Kälteschäden" vor dem Sechs-Kilometer-Marsch.

Erschwerte Bedingungen rund um Eingewöhnungsmarsch

Die Soldaten waren zu einem Ausbildungsplatz gefahren worden und sollten von dort zum Marsch starten. Nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen hatten aber 29 Teilnehmer Teile der Ausrüstung vergessen. Also wurden sie zu Fuß zur Kaserne zurückgeschickt, um die Sachen zu holen - NDR.de berichtete. Die Bundeswehr bezeichnet dies jetzt als "nicht sachgerechte Führungsentscheidungen". Ein weiterer Kritikpunkt: Einige Soldaten mussten beim Rückmarsch offenbar Liegestütze absolvieren. "Die Soldaten sollen zu Beginn ihrer Ausbildung schrittweise an körperliche Belastungen herangeführt werden. Phasenweise Laufschritt, erhöhtes Marschtempo oder Liegestütze widersprechen der Zielsetzung eines solchen Eingewöhnungsmarsches und sind zu unterlassen", heißt es.

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Tod nach Bundeswehr-Marsch

Im Juli ist ein Offiziersanwärter nach einem Marsch in Munster gestorben. Das Verteidigungsministerium hat nun Fehler eingeräumt. Tagesschau.de berichtet. extern

Ein Soldat noch immer in Lebensgefahr

Wenn die Mängel, die die Untersuchungsergebnisse aufzeigen, auch "nicht singulär ursächlich" für die schweren gesundheitlichen Folgen gewesen seien, so hätten sie sich "jedoch vermutlich nachteilig auf die Ereignisse" ausgewirkt, so ein Fazit der Bundeswehr. Der Offiziersanwärter war am 19. Juli bei dem Marsch zusammengebrochen und am 29. Juli gestorben. Von den drei weiteren, die kollabierten, sind zwei laut Bundeswehr am 2. August aus dem Krankenhaus entlassen worden, werden aber weiter behandelt. Der dritte sei nach wie vor in einem kritischen Zustand und werde auf der Intensivstation behandelt. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft würden weiterhin unterstützt, verspricht die Bundeswehr.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 31.08.2017 | 21:00 Uhr

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