Stand: 11.02.2015 21:57 Uhr

Katrin Konert - Seit 15 Jahren verschwunden

von Tabea Tschöpe

1. Januar 2001, gegen 18.30 Uhr: Die 15-jährige Katrin Konert verlässt die Wohnung ihres Freundes in Bergen im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Auf den Straßen ist es glatt, Blitzeis überzieht den Asphalt. Katrin will zurück nach Hause, ins gut 15 Kilometer entfernte Groß Gaddau. Bis zur Bushaltestelle "Neue Straße" geht sie zu Fuß. Doch an diesem Montagabend fährt kein Bus. Katrin hofft, dass jemand anhält und sie nach Hause zu ihrer Familie bringt, mit der sie am Vorabend Silvester gefeiert hat. Ihrer Schwester Nadine schickt sie noch eine SMS, kündigt ihre Ankunft bis 19 Uhr an. Doch zu Hause ist sie nie angekommen. Die Bushaltestelle in dem 1.500-Einwohner-Dorf Bergen ist der letzte Ort, an dem die 15-Jährige gesehen wurde. Polizei und Familie haben bis heute keine Spur von ihr. Trotz eines äußerst engagierten Ermittlers, der mehrere Fahndungsaufrufe bei der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" startete, einer Suche mit Aufklärungsflugzeugen der Bundeswehr und inzwischen fast 600 Hinweisen.

Der Fall Katrin Konert bewegt noch immer

Dokumentation zu dem Fall entsteht

Ein Jahr später, 2002, nimmt Michael Heuer aus Hannover das erste Mal Kontakt zu Familie Konert auf. Er ist Filmemacher und Familie Konert hat selbstverständlich "Interesse daran, dass Katrin nicht vergessen wird", sagt er. Denn je mehr über die vermisste Tochter und Schwester berichtet wird, desto höher die Chance, dass ein Hinweis zu ihrem Verbleib kommt. Die Konerts sind einverstanden: Heuer darf ihre verzweifelte Suche nach Katrin filmisch begleiten, insgesamt mehr als 13 Jahre lang. Daraus ist eine einstündige Dokumentation entstanden. Sie heißt "Blitzeis: Das Warten auf Katrin" . Darin ist zu sehen, wie Familie Konert mit dem Verschwinden von Katrin umgeht. Auch letzte Videoaufnahmen mit Katrin von Weihnachten und Silvester 2000 sind Teil des Films.

Tiefe Einblicke ins Familienleben

Dutzende Drehtage habe er mit Familie Konert verbracht, erklärt Heuer. Viel entscheidender seien in dieser Zeit aber die Tage gewesen, an denen keine Kamera, kein Mikrofon im Spiel gewesen sei, sondern die Familie mit dem Filmteam freie Zeit etwa beim Fußballspielen und Fußballschauen verbracht hat. "Die Familie ist häufig umgezogen, wir haben sie über Jahre begleitet. Daraus ist eine Art Freundschaft entstanden, die bis heute anhält", sagt er. Auch die "emotionale Berg- und Talfahrt der Familie" hat der 60-jährige Regisseur des Films hautnah miterlebt. Im Laufe der Jahre sei der Schmerz über das Verschwinden von Katrin nicht keiner geworden: "Ich glaube eher, dass es umgekehrt ist", meint Heuer. Die Trauer-Gefühle haben nach seiner Einschätzung zugenommen mit jedem Tag der Ungewissheit. "Selbst die Nachricht vom Tod Katrins hätte wahrscheinlich eine erleichternde Wirkung", sagt er.

Ermittler Rusche: "Fall wird nicht zu den Akten gelegt"

Dass Katrin Konert nicht mehr am Leben ist - davon geht die Polizei in Lüchow inzwischen aus. Kriminaloberkommissar Andreas Rusche ermittelt seit dem Verschwinden von Katrin und ist jedem der fast 600 Hinweise nachgegangen. Doch keiner führte bislang zu Katrin, im Grunde wisse die Polizei nicht mehr über ihr Verschwinden als kurz nach dem Neujahrstag 2001. Dennoch, sagt er: "Es besteht die Möglichkeit, dass sie noch lebt und sich irgendwo aufhält, sei es freiwillig oder dass sie festgehalten wird. Die Möglichkeit besteht, dass ihr Gewalt angetan worden ist und daher wird der Fall nicht zu den Akten gelegt."

Mysteriöser Anruf vor drei Jahren

Nach einer Zeugin sucht Rusche bis heute vergeblich. Sie hat sich nach einer "XY-Sendung" vor etwa drei Jahren telefonisch gemeldet, anonym, und wichtige Hinweise gegeben, die die Polizei überprüfen sollte. "Anschließend legte sie auf", erinnert sich Rusche. Die Hinweise müsse er aus ermittlungstaktischen Gründen für sich behalten. Aber nach seinen Angaben waren es sehr wichtige Hinweise, über die er gerne noch einmal mit der Zeugin persönlich sprechen würde. Doch auch nach einer weiteren "XY-Sendung" im August 2014 meldete sich die Zeugin nicht noch einmal. Rusche hofft, dass mit der Ausstrahlung der Dokumentation der Fall noch mehr Menschen bekannt wird, die etwas über das Verschwinden von Katrin Konert wissen könnten.

Auf ihrer Internet-Seite hat die Polizei ein Aging-Bild gestellt: Darauf zu sehen ist Katrin, wie sie heute im Alter von 29 Jahren aussehen könnte.

 

 

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Hallo Niedersachsen | 21.05.2016 | 19:30 Uhr

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