Stand: 12.02.2016 11:40 Uhr

... und dann war da plötzlich ein Schäferhund

von Vanessa Kossen

"Ein Hund ist ein Hund ist ein Hund." So lautet ein Credo der Hundeexperten in der Zollhundeschule in Bleckede (Landkreis Lüneburg). Dennoch weiß Leiterin Jennifer Egyptien, dass es mehr Überwindung kostet, einem American-Staffordshire-Terrier oder Rottweiler gegenüberzutreten als einem Golden Retriever. "Oft treffen Kollegen unerwartet auf Hunde, zum Beispiel bei Durchsuchungen, und haben Probleme, diese einzuschätzen", sagt Egyptien. Seit drei Jahren schult sie deshalb zusammen mit ihren Kollegen in zweieinhalb Tagen Zollbeamte in Theorie und Praxis. Ziel ist es, Laien die Grundbegriffe der richtigen Körpersprache zu vermitteln, damit solche Begegnungen ohne Konflikte ablaufen.

Rottweiler-Dame "Heidi" soll Gelassenheit lehren

Egyptiens Rottweiler-Hündin "Heidi" stellt regelmäßig Zollfahnder aus ganz Deutschland auf die Gelassenheitsprobe. Unaufhörlich schnuppert "Heidi" in einer speziellen Schulung im geschlossenen Raum an den Beamten, sucht gezielt Kontakt zu ihren Händen, springt auch mal an ihnen hoch. "Wir wollen erreichen, dass unsere Kollegen hier vorurteilsfrei bleiben. Rassezugehörigkeit ist nämlich kein Hinweis auf erhöhte Aggression beim Individuum Hund und als Fachleute lehren wir dies", betont Egyptien.

Wie führt man einen Hund ab?

Eine Wohnungsdurchsuchung im Team ist die nächste Übung. Das Einzige, was hier allerdings gefunden werden soll, ist eine Lösung, den anwesenden Hund im Idealfall angeleint aus dem Zimmer zu bringen. Schäferhund-Mischling "Krümel" hat eine imposante Größe und ist mit seinen 13 Monaten noch sehr verspielt und entsprechend aufdringlich. Dennoch schaffen es die Zollfahnder, ihn sicher aus dem Büro zu führen. Auch eine American-Staffordshire-Hündin und ein Schutzhund der Bundespolizei halten den Schulungsteilnehmern in Gruppenübungen den Spiegel vor.

600 Zollbeamte in drei Jahren ausgebildet

"Wir haben diese Hunde ausgewählt, weil sie sehr menschenfreundlich und nervlich belastbar sind", sagt Egyptien, "das macht sie hier zu guten 'Lehrern'." Diese Rassen hätten eine schwer zu lesende Mimik und "es ist auch ein Test für uns, ob unsere Teilnehmer das Erlernte nun richtig anwenden können". Mehr als 600 Zollfahnder haben in den vergangenen drei Jahren in Bleckede gelernt, Vierbeiner nicht nach ihrer Rasse zu beurteilen, sondern ihr Verhalten individuell einzuschätzen.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 13.02.2016 | 19:30 Uhr

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