Stand: 01.02.2019 16:58 Uhr

Im Fadenkreuz: Wie läuft die Jagd auf den Wolf?

Der Problemwolf aus einem Rudel in Rodewald im Landkreis Nienburg/Weser ist seit einer Woche durch das Umweltministerium in Hannover zum Abschuss freigegeben. Doch wer darf den Rüden, der seit Frühjahr 2018 mehrere Nutztiere gerissen haben soll, jetzt eigentlich schießen? Wo hält sich dieser zurzeit auf? Und wie soll sichergestellt werden, dass es überhaupt das richtige Tier erwischt? Antworten auf diese Fragen gibt das niedersächsische Umweltministerium derzeit nicht. "Jetzt geht es darum, das Verfahren umzusetzen. Ich bitte um Verständnis, dass das außerhalb öffentlicher Kommunikation stattfindet", sagte Minister Olaf Lies (SPD) am Freitagmittag auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in Hannover. Die Debatte sei emotional zu aufgeladen. "In der Zeit, in der wir leben, bestehen ganz große Sorgen bei denjenigen, die am Ende möglicherweise den Vollzug durchführen."

Ein gerissenes Kalb

Problemwolf zum Abschuss freigegeben

Hallo Niedersachsen -

Ein Wolf aus Rodenwald darf getötet werden. Der Rüde hat nachweislich mehrere Nutztiere und ein Shetland-Pony gerissen. Umweltschützer bezweifeln die Rechtmäßigkeit der Entscheidung.

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Wolfsrüde: Identifizierung laut Lies gewährleistet

Nicht jeder Jäger dürfe wild drauflos schießen, berichtete NDR 2 am Freitagmorgen. Für den Abschuss habe das Ministerium eigene Fachleute. Diese seien auf Hinweise von Jägern angewiesen. Den Wolfsrüden mit dem genetischen Code "GW717M" zu identifizieren sei relativ einfach. Er sei ein Leittier und derjenige, der Schutzzäune überwinde. Durch dieses Verhalten sei er einfach zu erkennen. Zudem gibt es, und immerhin das fügte Minister Lies an, Bildmaterial, das den Wolf einwandfrei zeige. Schwieriger sei hingegen, das Raubtier überhaupt zu finden, das bis zu 80 Kilometer in der Nacht laufen kann. Ein Problem, das auch Lies bewusst ist. Das Gebiet, in dem sich das Tier aufhalte, umfasse die Region Hannover und zwei Landkreise. "Deswegen müssen wir abwarten, in welchem Zeitraum eine Entnahme möglich ist", sagte der SPD-Politiker.

Abschuss des Wolfes juristisch geprüft

Lies hatte die Sondergenehmigung zum Abschuss bereits in der vergangenen Woche erteilt, um "Schäden in der Weidewirtschaft" abzuwenden. DNA-Analysen hatten das Tier mit den Rissen in Verbindung gebracht. Es müsse verhindert werden, dass problematische Tiere ihren Nachkommen beibringen, wie Rinder gerissen oder wolfsabweisende Zäune übersprungen werden. Mitte Januar soll das Tier in zwei Fällen Zäune überwunden haben, die als wolfssicher galten. Das Verhalten des Tieres sei seit Wochen "intensiv beobachtet" worden. Die Sachlage sei juristisch geprüft und bewertet worden, hieß es. Lies sei sicher, dass seine Entscheidung einer rechtlichen Überprüfung im Nachgang stand hielte. Nach Problemwolf "Kurti" ist Wolf "GW717M" das zweite Tier der Art in Niedersachsen, das trotz des strengen Schutzes abgeschossen werden darf. Auch in Schleswig-Holstein ist jüngst ein Wolf zum Abschuss freigegeben worden.

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Niedersachsen 18.00

Wolf zum Abschuss freigegeben

Niedersachsen 18.00

Nach zahlreichen Rissen von Rindern und Ponys soll der Leitrüde des Wolfsrudels von Rodewald im Landkreis Nienburg abgeschossen werden. Das hat das Umweltministerium bestätigt. Video (00:33 min)

Deutscher Jagdverband fordert Tötung von Rudeln

Kritik erntete der Minister dafür von Ex-Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne). Der Politiker führte an, dass der Wolf keinen Zwei-Meter-Schutzzaun übersprungen habe, was für die Entscheidung relevant sei. Holger Buschmann, Landesvorsitzender des NABU, bezweifelt ebenfalls die rechtliche Grundlage. Ein Wolf dürfe nur abgeschossen werden, wenn er existenzbedrohenden Schaden anrichte. Das sei in den besagten Fällen bisher nicht zu erkennen. Der Deutsche Jagdverband bringt in dieser Thematik einen Abschuss von Rudeln ins Spiel. Den anpassungsfähigen Tieren müsse beigebracht werden, sich von Menschen und Nutztieren fern zu halten, sagte Verbandspräsident Hartwig Fischer der "Bild". "Dazu kann es auch notwendig sein, ganze Rudel zu töten."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Niedersachsen 18.00 | 31.01.2019 | 18:00 Uhr

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