Stand: 01.04.2020 12:12 Uhr

Homeoffice in Corona-Zeiten - und kein Empfang

von Vivian Münzel
Eine Frau sitzt beim Homeoffice am Tisch und hält ihr Handy in die Luft. © NDR
Jeden Morgen sucht Kirsten Klann erst nach dem besten Handyempfang in ihrem Haus.

Kirsten Klann lebt in Alt Garge, einem Ort im Landkreis Lüneburg mit 1.200 Einwohnern. Jeden Morgen nach dem Aufstehen wandert sie durch das Haus und sucht mit ihrem Handy nach dem besten Empfang. Dort drapiert sie dann Unterlagen und ein Tablet für die Arbeit über das Mobilfunknetz. Denn der Breitbandanschluss in Alt Garge ist ungenügend, auch das Handynetz ist schwach. "Ich habe eben von einem meiner Mitarbeiter einen Bericht per E-Mail bekommen und versucht, ihn zu öffnen", sagte sie im Gespräch mit dem NDR in Niedersachsen. "Er lädt und lädt und lädt, und es passiert gar nichts."

Sozialarbeit via Mail und Bildtelefonie

Klann ist die pädagogische Leiterin bei Nordstern, einem Verein der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe. Sie koordiniert 17 Mitarbeiter von zu Hause aus. Der Kontakt zu den Familien findet fast nur noch über E-Mail, SMS oder Bildtelefonie statt. Obwohl die Kinder und Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen sie gerade in der Corona-Krise besonders bräuchten, sagte Klann. Wenn dann auch noch das Internet streike, sei es frustrierend. "Sozialarbeit lebt davon, in Kontakt zu gehen, Stimmungen zu spüren, zu gucken, was mache ich jetzt, was für ein Gespräch führe ich. Das fällt jetzt alles weg." Selbst wenn die Verbindung mal funktioniere, sei das Gespräch so versetzt, dass sie die Stimmung nur ganz schwer aufnehmen könne, sagte Klann.

Große Unterschiede zwischen Stadt und Land

Laut niedersächsischem Breitbandzentrum sind landesweit inzwischen 84 Prozent der Haushalte mit zuverlässigem Internet versorgt. Doch noch immer klafft eine Lücke zwischen städtischer und ländlicher Breitbandversorgung. So seien insbesondere Bereiche der Landkreise Uelzen, Lüchow-Dannenberg, Lüneburg, Gifhorn, Diepholz und der Grafschaft Bentheim noch deutlich unterversorgt. Ein Sprecher der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg gibt an, rund 50 Prozent der befragten Unternehmensmitglieder seien laut einer aktuellen Umfrage unzufrieden mit ihrem Breitbandanschluss. Gerade in Zeiten der Corona-Krise ist das ein großes Problem. "Wenn Mitarbeiter nicht von zu Hause arbeiten können, haben diese nur die Wahl, sich erhöhten Gesundheitsgefahren auszusetzen oder ihre Arbeit liegen zu lassen", sagte der Sprecher. Diese Umsatzeinbußen kompensiere bislang jedoch keiner.

Anschluss ans Glasfasernetz im Sommer

Eine Frau sitzt mit Laptop am Schreibtisch. © NDR
Für Tochter Lena ist es in Corona-Zeiten schwierig, ihre Aufgaben für die Schule abzuliefern.

Auch Klanns Tochter Lena ist auf das Internet angewiesen. Sie ist in der 10. Klasse eines Gymnasiums und muss Lernabschnitte immer wieder via Internet an ihre Lehrer übermitteln. Was oftmals schwierig ist. "Oft hat man hier über mehrere Tage kein Netz und kann keine mobilen Daten nutzen", sagte Klann. Die Lehrer seien aber zumeist wenig einsichtig. Kurzfristig wird sich die Lage in Sachen Internet für Familie Klann nicht bessern. Die Haushalte in Alt Garge sollen zwar ans Glasfasernetz angeschlossen werden. Aber das wird laut Telekom noch bis zum Sommer dauern.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 01.04.2020 | 19:30 Uhr

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