Stand: 30.08.2019 19:10 Uhr

Heimkinder aus Bothel in Rumänien misshandelt?

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In einem deutschen Heim für Schwererziehbare in Rumänien sollen unter anderem neun Kinder aus Niedersachsen schwer misshandelt worden sein. (Themenbild)

Schwere Vorwürfe gegen ein deutsches Heim für Schwererziehbare in Rumänien: Neun Kinder aus einem Heim in Bothel im Landkreis Rotenburg sind dort offenbar schwer misshandelt worden. Das berichtet NDR 1 Niedersachsen. Grundlage für den Aufenthalt der Kinder in Rumänien ist laut Sozialministerium eine Kooperationsvereinbarung. Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann (SPD) sagte, wenn sich diese Vorwürfe bewahrheiteten, seien das erschütternde Verhältnisse, die nicht mit pädagogischen Ansätzen zu rechtfertigen seien. "Dass mit Jugendlichen so umgegangen wird, ist nicht zu tolerieren und muss sofort gestoppt und aufgeklärt werden." Nach Angaben des Ministeriums hat das Landessozialamt nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe umgehend Kontakt zu dem im Landkreis Rotenburg ansässigen Kooperationspartner aufgenommen, der die Jugendlichen bei dem Projekt untergebracht hat. Insgesamt wohnten dort 23 Jugendliche.

Staatsanwaltschaft: Barbarische Methoden angewandt

In Rumänien waren zuvor ein Deutscher, der offenbar die Einrichtung geleitet hat, und vier Rumänen verhaftet worden. Den Verdächtigen wird vorgeworfen, in dem Heim im rumänischen Viseu de Sus Jugendliche "in Bedingungen wahrhafter Sklaverei" zur Arbeit ausgebeutet zu haben. Das hatte die auf organisiertes Verbrechen spezialisierte Einheit der Staatsanwaltschaft in Bukarest am Donnerstag mitgeteilt. Die Jugendlichen seien auf den Bauernhöfen, wo sie arbeiten mussten, "mit barbarischen Methoden" behandelt worden.

Mit Schlägen und Nahrungsentzug bestraft

Den Ermittlern zufolge wurden die Opfer geschlagen und mit Tieren vor Wagen gespannt. Ungehorsam sei mit Nahrungsentzug und einer Art Isolationshaft bestraft worden, die mehrere Wochen dauern konnte. Medikamente sowie den Kontakt zur Außenwelt habe man den Teenagern vorenthalten, ebenso den Schulbesuch. Der verhaftete Deutsche, der als Hauptverdächtiger gilt, habe "aufgrund persönlicher pädagogischer Überzeugungen" gehandelt, schrieb die Staatsanwaltschaft. Die Einrichtung in Rumänien wird mit deutschen Geldern mitfinanziert.

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19.11.2019 17:00 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 30.08.2019 | 09:30 Uhr

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