Stand: 04.04.2018 19:21 Uhr

"Göhrde-Morde": Polizei vermutet mehr Leichen

Der Fall ist brutal und gespenstisch: Vor fast 30 Jahren hält eine blutige Mordserie die Region um Göhrde bei Lüneburg in Atem. Wer es getan hat - das war lange unklar. Mittlerweile gibt es einen Verdächtigen: den längst verstorbenen Kurt-Werner Wichmann aus Adendorf (Landkreis Lüneburg). Seit Mittwoch untersucht die Polizei mit Unterstützung von internationalen Experten erneut das einstige Wohnhaus des Mannes samt Grundstück auf Spuren. Dort waren erst im vergangenen Jahr die sterblichen Überreste der 1989 verschwundenen Birgit M. gefunden worden. Sie war die Schwester von Wolfgang Sielaff, dem ehemaligen Chef des Hamburger Landeskriminalamts.

Haus bereits mehrfach untersucht

"Nach dem Fund haben wir beschlossen, dass wir auf dem Grundstück noch einmal suchen wollen", sagte Polizeisprecher Mathias Fossenberger NDR 1 Niedersachsen. Man schließe nicht aus, dass auf dem Grundstück noch weitere Leichen gefunden werden könnten. Das Grundstück, das Backsteinhaus und die Garage waren bereits mehrmals untersucht worden, in den 1990er-Jahren und eben erneut im Jahr 2017. Doch das reicht der Polizei nicht.

Spürhunde aus Kroatien

Für die Durchsuchungen holen sich die Ermittler aus Lüneburg Unterstützung aus dem Ausland. Unter anderem sollen Suchhunde aus Kroatien zum Einsatz kommen. "Im Gegensatz zu Leichenspürhunden, die vor allem auf Blut reagieren, sind diese Hunde ausgebildet, verwesende Knochen aufzuspüren." Weiterhin suchen die Lüneburger Ermittler nach einem möglichen Mittäter. Auch in dieser Hinsicht erhoffen sie sich weitere Spuren. Die Nachbarn wurden bereits über die umfangreiche Polizeiarbeit informiert. In der kleinen Sackgasse gilt für zwei Wochen absolutes Park- und Halteverbot, damit die Polizeisuche nicht behindert wird.

Analysten untersuchen 24 ungeklärte Morde

Der 1993 verstorbene Gärtner Kurt-Werner Wichmann wird verdächtigt, 1989 im Staatsforst Göhrde zwei Paare umgebracht und die 41-jährige Birgit M. getötet zu haben. Die Ermittler sprechen bislang nur vorsichtig von "Indizien", dass er "mit diesen Taten in Verbindung stehen könnte". Sie wissen aber bereits, dass Wichmann in einem der Autos war, mit denen die getöteten Paare in der Göhrde waren: Zwei DNA-Spuren des Tatverdächtigen wurden in dem Wagen nachgewiesen. Außerdem könnte er für zahlreiche weitere Morde verantwortlich sein: Aktuell gleichen Fall-Analysten bereits 24 ungeklärte Fälle ab.

Verdächtiger seit 1993 tot

Wichmann kann nicht mehr befragt werden: Er hatte bereits 1993 im Verdacht gestanden, für das Verschwinden von Birgit M. verantwortlich zu sein. Er kam in Untersuchungshaft und nahm sich dort das Leben.

Die Geschichte einer brutalen Mordserie

Weitere Informationen

Polizei sucht weiter Mitwisser der Göhrde-Morde

Viel deutet darauf hin, dass der 1993 verstorbene Kurt-Werner W. der "Göhrde-Mörder" war. Um mehr Licht in das Dunkel zu bringen, sucht die Polizei weiter nach einem Mitwisser. (02.03.2018) mehr

Gutachten der MHH: Birgit M. wurde erschossen

Ein weiterer Schritt in Richtung Aufklärung: Die 1989 getötete Birgit M. ist erschossen worden. Das zeigt das Obduktionsgutachten. Täter war vermutlich der "Göhrde-Mörder". (19.01.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 28.03.2018 | 08:00 Uhr

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