Stand: 25.06.2019 20:23 Uhr

Giftmulde: Dethlinger Teich wird geöffnet

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden im Dethlinger Teich bei Munster chemische Kampfstoffe vergraben. (Archivbild)

Der mit chemischen Kampfstoffen gefüllte und später zugeschüttete Dethlinger Teich bei Munster soll geöffnet werden. Experten wollen so feststellen, wie gefährlich die Altlasten sind. Der Heidekreis und die bundeseigene Gesellschaft zur Entsorgung von chemischen Kampfstoffen und Rüstungsaltlasten (Geka) in Munster haben dazu einen Vertrag unterzeichnet, wie die "Böhme-Zeitung" (Dienstagausgabe) berichtet. Der Zeitung zufolge sollen die Untersuchungen am 16. September beginnen. Dabei sollen gepanzerte und ferngesteuerte Geräte zum Einsatz kommen.

Abbauprodukte im Grundwasser nachgewiesen

Nach Informationen der "Böhme Zeitung" soll die Bestandsaufnahme bis Weihnachten dauern. Erst danach könne die Geka über weitere Maßnahmen entscheiden. "Die gesamte Sanierung wird noch Jahre dauern und dürfte mindestens 50 Millionen Euro kosten", sagte Kreissprecher Andreas Pütz. Bei Grundwasseruntersuchungen waren vor mehr als zwei Jahren die Reste von chemischen Kampfstoffen gefunden worden, unter anderem Abbauprodukte von Senfgas.

Keine Dokumente über die Altlasten

In dem Teich waren nach Ende des Zweiten Weltkriegs jahrelang Munitionsvorräte der Wehrmacht und andere Funde versenkt worden - wie viele ist unklar. Unterlagen darüber gibt es nach Angaben des Landkreises keine. Es gebe lediglich eine Zusammenstellung auf der Grundlage von Zeitzeugenbefragungen aus dem Jahr 1979. Die Zahlen seien allerdings mit äußerster Vorsicht zu betrachten, heißt es in einem Dokument des Heidekreises zur Historie des Dethlinger Teichs. 1952 wurde der Teich zugeschüttet.

Diese Kampfstoffe schlummern möglicherweise im Dethlinger Teich:

  • rund 100.000 Zündladungen vom Typ C-98
  • rund 3.000 Kampfstoffgranaten, Kaliber 7,5 cm bis 32 cm
  • 150 Stück Kampfstoffmunition, 7,5 cm bis 15 cm
  • rund 200 bis 300 Phosgenbomben mit Füllung (ca. 100 kg pro Stück, entschärft und in den Teich entleert)
  • rund 300 Fässer mit je 250 Litern Flüssig-Phosgen
  • rund 100 Fässer mit jeweils rund 100 Litern Lost (Senfgas)
  • (Quelle: Landkreis Heidekreis)

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 26.06.2019 | 06:30 Uhr

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