Stand: 09.11.2018 18:13 Uhr

Gedenkstätte erinnert an Synagoge in Lüneburg

Auf den Tag genau 80 Jahre nach der Reichspogromnacht ist am Rande der Lüneburger Innenstadt am Freitag eine Synagogen-Gedenkstätte eingeweiht worden. Die Gedenkstätte ist von grauen Betonwänden eingefasst, an denen vier Bronzetafeln hängen. Darauf sind die Namen der jüdischen Familien verzeichnet, die einst in Lüneburg lebten. Eine Beton-Stele mit einem Davidstern steht in der Mitte der Gedenkstätte. Es ist genau die Stelle, an der von 1894 bis 1938 die Synagoge gestanden hatte. Zahlreiche Menschen hatten sich vor der Gedenkstätte eingefunden, als Rabbiner Jona Simon ein dunkles Tuch von der Stele nahm und den Ort der Erinnerung einweihte.

Synagogen-Gedenkstätte in Lüneburg in 360 Grad

Von 1894 bis 1945 stand hier die Synagoge von Lüneburg. Nun wurde eine Gedenkstätte errichtet. Sie soll ein neuer Ort des Gedenkens sein für Menschen aus aller Welt.

Nachfahren von jüdischen Familien zur Eröffnung angereist

Unter den Besuchern waren auch 30 Nachfahren von jüdischen Lüneburger Familien. Es sind die Nachfahren, an deren Familien die Bronzetafeln erinnern. Reuven Stern war deshalb aus Israel angereist. Seine Mutter Lisa hatte Lüneburg als Kind verlassen müssen. Er freute sich über die vielen Teilnehmer der Gedenkveranstaltung. "Neben dem Schmerz ist es auch eine Freude zu sehen, dass so viele Leute daran interessiert sind." Auch der Familienname von Rachel Lengel ist auf der Bronzetafel verzeichnet. "Es ist traurig, das hier zu sehen, aber es ist auch etwas Schönes", sagte sie.

Synagoge war zwangsverkauft und abgerissen worden

Die Historikerin Anneke de Rudder wünscht sich, dass die Gedenkstätte ein lebendiger Ort wird. Die Namen seien wichtig, damit es an dieser Stelle nicht nur um das abstrakte Gedenken gehe, sondern ganz konkret um Menschen, die einst in Lüneburg gelebt haben. Genau darum geht es auch Wilfried Haase. Er ist Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, die den Bau der Gedenkstätte maßgeblich betrieben hat. Zuvor war in Lüneburg über Jahrzehnte nur in Form der Stele an die mehr als hundertjährige jüdische Geschichte erinnert worden. Die Synagoge "Am Schifferwall" war 1938 zwangsweise verkauft und auf Kosten der jüdischen Gemeinde abgerissen worden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 09.11.2018 | 17:00 Uhr

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