Stand: 03.06.2018 20:15 Uhr

Bahn: "Sind Verantwortung nicht gerecht geworden"

Hinterbliebene, Überlebende, Helfer und Anwohner sowie Vertreter von Politik und Bahn haben am Sonntagmorgen in Eschede (Landkreis Celle) an die ICE-Katastrophe am 3. Juni 1998 erinnert. Bei dem Unglück waren 101 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Richard Lutz, entschuldigte sich in seiner Rede im Namen seines Unternehmens noch einmal ausdrücklich bei den Betroffenen des Unglücks und bat sie um Verzeihung.

Andreas Effinghausen und Udo Bauch

Gedenken an Opfer des Zugunglücks von Eschede

Hallo Niedersachsen -

Udo Bauch wurde beim Zugunglück von Eschede vor 20 Jahren schwer verletzt. Andreas Effinghausen rettete ihm damals das Leben. Er befreite ihn aus dem Waggon, in dem er eingeklemmt war.

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Bahnchef gesteht Fehler ein

"Die Menschen haben sich uns anvertraut, und wir sind dieser Verantwortung an diesem Tag einfach nicht gerecht geworden", sagte Lutz. Außerdem betonte Lutz, dass die Entschuldigung der Bahn, die sein Vorgänger Rüdiger Grube am 15. Jahrestag des Unglücks ausgesprochen hatte, viel zu spät gekommen sei. Die Bahn habe die nötige Sensibilität vermissen lassen. Von daher verneige er sich jetzt vor den Opfern.

Weil: Keine absolute Sicherheit durch Technik

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte am 20. Jahrestag des schwersten Zugunglücks in der Geschichte der Bundesrepublik, das Unglück habe gezeigt, dass Technik keine absolute Sicherheit biete. Die Katastrophe sei "völlig unvermittelt und wie ein Blitz" über Menschen hereingebrochen, die der Bahn voll und ganz vertraut hätten, so Weil. Dies zeige, dass die Einführung neuer Technik ständiger und äußerster Sorgfalt bedürfe.

Dank an die Rettungskräfte

Weil betonte mit Blick auf Opfer, Verletzte und Hinterbliebene, dass es Wunden gebe, die niemals heilen werden. Das Land Niedersachsen fühle sich eng mit den Betroffenen verbunden. Außerdem dankte er ausdrücklich allen Rettungskräften für ihren Einsatz. "Dieses Unglück stellt eine beispiellose Belastung dar, die sie bis heute tragen müssen", so Weil.

Hinterbliebenen-Sprecher sieht Fehlleistungen

Der Sprecher der Hinterbliebenen, Heinrich Löwen, sagte vor den Gedenktafeln in einem Hain von 101 Kirschbäumen an den Bahngleisen, die Toten von Eschede wollten den Lebenden etwas sagen: "Wenn ihr uns in eurem Gedächtnis und in eurem Herzen bewahrt, bleiben wir über den Tod hinaus verbunden." Löwen widersprach der Einschätzung von Ministerpräsident Weil, dass die Katastrophe unvorhersehbar gewesen sei. "Es waren Fehlleistungen von Menschen, die dazu geführt haben", sagte er. Es sei unerklärlich, wie es zu Defiziten bei den Wartungen hätte kommen können.

Traurige Erinnerung an Opfer des ICE-Unglücks

Betroffene von der Justiz enttäuscht

Löwen beklagte zudem, dass die Hoffnungen der Hinterbliebenen auf eine juristische Aufarbeitung des Unglücks bitter enttäuscht worden seien. "Das Gericht hat uns mit der Einstellung des Verfahrens ein weiteres Mal verletzt", sagte er. Es sei unerklärlich, warum die offensichtlichen Defizite bei den Wartungen der Züge folgenlos geblieben seien. Das Landgericht Lüneburg hatte den Prozess gegen drei Ingenieure im April 2003 gegen Zahlung von jeweils 10.000 Euro eingestellt. Löwen appellierte an die Bahn, dass die Sicherheit der Menschen immer im Vordergrund stehen müsse. "Es darf nicht um Gewinnmaximierung oder Geschwindigkeitsrekorde gehen", sagte er. "Das Wohl der Fahrgäste sollte oberste Priorität haben."

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Weitere Informationen

Eschede: Eine Gedenkstätte zu Ehren der 101 Opfer

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 03.06.2018 | 19:30 Uhr

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