Stand: 02.12.2018 08:19 Uhr

Feuer am Stint: "So etwas vergisst man nicht"

Es ist die Nacht auf den 2. Dezember 2013, als das stolze Lösecke-Haus am Lüneburger Stintmarkt in Flammen aufgeht. Thomas Thämlitz wohnt damals in dem Gebäude, im obersten Stockwerk. Er erinnert sich an die Brandnacht. "Es war gegen drei Uhr morgens, als ich von einem lauten Knall aufgewacht bin. Meine Freundin ist dann zum Fenster gegangen und hat gesagt: 'Es brennt!'". Im Wasser der Ilmenau vor dem Haus spiegelt sich schon der Feuerschein. Dann hört Thämlitz die Nachbarn im Treppenhaus: "Alle raus, es brennt!" Die 14 Personen konnten sich gerade noch retten. Es entstand ein Schaden von etwa dreieinhalb Millionen Euro.

Zwei Häuser brennen am Stintmarkt. Von links werden Löschwasserstrahle auf das Haus gerichtet. © NDR Foto: Lars Gröning Vom gegenüberliegenden Ufer der Ilmenau sind die ersten beiden Etagen des neuen Lösecke-Hauses in Lüneburg bereits zu erkennen. © NDR Foto: Lars Gröning

Möbel, Kleidung, Dokumente - alles verbrannt

Er schnappt sich eine Jacke und ein paar Schuhe und rennt hinaus. Zuerst, so Thämlitz, habe er mit einigen Nachbarn noch versucht, selbst zu löschen. Doch es ist aussichtslos. Nach etwa zwanzig Minuten sind die Feuerlöscher leer. Die Bewohner stehen vor dem Haus auf einer Brücke und können nur noch hilflos mit ansehen, wie das Haus bis auf die Grundmauern niederbrennt. Polizei und Feuerwehr waren zwar rasch vor Ort, versichert Thämlitz - doch es war zu spät. Zwei Monate lang muss Thämlitz bei einem Freund unterkommen. Möbel, Kleidung, Dokumente, Handy: Sein ganzes Hab und Gut war den Flammen zum Opfer gefallen.

"Ich mochte die alten Balken"

Bild vergrößern
Instrumentenbauer Thomas Thämlitz lebte im Haus am Stintmarkt, als das Feuer ausbrach. (Archiv)

"Die Stadt Lüneburg hat uns super geholfen", sagt Thämlitz heute. Im Bürgerbüro mussten er und seine ehemaligen Nachbarn nicht lange anstehen; dazu gab es Bargeld, um für die Winterzeit zumindest eine warme Jacke kaufen zu können. Seit 2017 steht nun ein Neubau dort, wo Thämlitz früher gelebt hat. Doch er hat sich dagegen entschieden, zurückzukehren, obwohl der Eigentümer ihm ein Mietvorrecht eingeräumt hatte. "Es ist halt kein Altbau mehr", sagt er, "ich mochte die alten Balken." Nach zwei Monaten fand er eine neue Wohnung. Doch die Erinnerung an die Nacht, als das Feuer am Stintmarkt wütete, ist geblieben. "So etwas vergisst man nicht", sagt Thämlitz.

Sonderkommission der Polizei aufgelöst

Bei der Polizei ruhen die Ermittlungen zu dem Fall. Die Sonderkommission? Aufgelöst. Eine eigens eingerichtete Webseite für Zeugenhinweise? Abgeschaltet. Zu teuer, sagte ein Sprecher NDR.de - ein externer Provider für die Seite müsse bezahlt werden. Zwar hatte es 2015 noch neue Hinweise gegeben, doch es sei nicht der große Durchbruch gewesen, so der Sprecher weiter. Schon bald nach dem Feuer hatte sich herausgestellt, dass es sich offenbar um Brandstiftung gehandelt hat. Die Polizei suchte zunächst nach einem Unbekannten mit auffällig gelocktem Haar, der damals den Tatort eilig verlassen haben soll. Viele Anwohner mutmaßten, dass hinter der Tat Schutzgelderpressung stehen könnten - oder ein Konkurrenzkampf in der Lüneburger Gastro-Szene. "Es gibt Personen, die mehr wissen, als sie uns gesagt haben", vermutet der Polizeisprecher.

 

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 02.12.2018 | 08:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

02:27
Hallo Niedersachsen
03:04
Hallo Niedersachsen
03:03
Hallo Niedersachsen