Soldaten der Bundeswehr bei einer Übung in Munster. © Picture Alliance Foto: Philipp Schulze

Fall Munster: Staatsanwaltschaft fordert weitere Unterlagen

Stand: 24.06.2021 15:21 Uhr

Nach mutmaßlichen Exzessen von Soldaten aus Munster in Litauen ist unklar, ob die Staatsanwaltschaft Anklage erhebt. Sie fordert weitere Informationen, um prüfen zu können, ob Straftaten vorliegen.

von Andreas Rabe

Nicht einmal zwei Tage lang hat die Staatsanwaltschaft Lüneburg in die Unterlagen der Bundeswehr geschaut. Dann war klar, dass diese noch nicht ausreichen. "Keine vollständigen Sachverhaltsinformationen", hieß es am Donnerstag auf Nachfrage des NDR in Niedersachsen von der Anklagebehörde. Es würden weitere Informationen und mögliche Beweismittel von der Bundeswehr benötigt, um zu entscheiden, ob offizielle Ermittlungen aufgenommen werden.

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Ähnlichkeiten mit früherem Fall

Der Vorgang weist Parallelen zu einem Fall aus dem Jahr 2017 auf. Damals waren bei einem Ausbildungsmarsch in Munster mehrere Soldaten zusammengebrochen - einer von ihnen starb später im Krankenhaus. Auch damals kam die Bundeswehr ihrer Pflicht formal nach und reichte Informationen zu möglichen Straftaten ein. Die Staatsanwaltschaft musste aber über Wochen immer wieder um weitere Unterlagen bitten. Insgesamt dauerte das Verfahren länger als anderthalb Jahre und endete mit einer Geldstrafe für eine Ausbilderin.

Bundeswehr lässt Entlassungen prüfen

Von der Bundeswehr selbst hieß es auf Anfrage des NDR in Niedersachsen, dass die internen Ermittlungen zu den aktuellen Vorwürfen liefen. Eine fristlose Entlassung von zwei Soldaten werde weiter geprüft. Insgesamt hätten sechs Soldaten ein Verbot erteilt bekommen, eine Bundeswehr-Uniform zu tragen beziehungsweise werde das Verbot gegen Einzelne noch ausgesprochen. Das ist laut Bundeswehr vergleichbar mit einer Suspendierung. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte zuerst von Exzessen einiger Soldaten während ihres Nato-Einsatzes in Litauen berichtet. Die Beschuldigten sollen unter anderem rechtsextreme Lieder gesungen haben. Zudem steht der Verdacht eines sexuellen Übergriffs im Raum.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 24.06.2021 | 15:00 Uhr

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