Auf gelben Tonnen ist ein Radioaktiv-Zeichen zu sehen. © picture alliance/dpa Foto: Sebastian Kahnert

Endlagersuche: Kritik an Ausschlussbemühungen einiger Länder

Stand: 09.08.2021 19:19 Uhr

Der Chef des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) kritisiert die Ausschlussbemühungen einzelner Bundesländer bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager.

Dieses Vorgehen sollte keine Erfolgsaussichten haben, sagte Wolfram König der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Sonnabend). "Solche Ausschluss-Signale einzelner Länder legen die Axt an die ergebnisoffene Vorgehensweise und somit an das Fundament des Suchverfahrens." Am Montag wurden bei der Konferenz zur Atommüll-Endlagersuche noch Zwischenergebnisse diskutiert. Kurz zuvor hatte der Umweltverband BUND seine Teilnahme am Forum abgesagt.

Endlager soll 2050 stehen

Bis 2031 soll in Deutschland nach einem Standort für hoch radioaktiven Abfall gefunden werden, der tief unter der Erde vergraben und entweder in Ton-, Salz- oder Granitgestein für eine Million Jahre sicher gelagert werden soll. Im Jahr 2050 soll das Endlager fertiggestellt sein. "Wir sprechen über 28.000 Kubikmeter hoch radioaktive Abfälle, die am Ende der Laufzeit in 1900 Castor-Behältern auf die 16 Zwischenlager in Deutschland verteilt sind und schließlich ins Endlager kommen sollen", sagte König. Die Oberflächenanlagen müssten auf einer Fläche stehen, die mindestens so groß ist wie etwa 34 Fußballfelder. Auch wenn er den Zeitplan für "sehr ehrgeizig" halte, dürfe das Suchverfahren nicht nachlässig werden, um Zeit zu sparen, sagte König. Es bringe nichts, schnell zu einem Ergebnis zu kommen, wenn es im Anschluss doch wieder von einem Gericht kassiert werde. "Klar ist: Wir haben keine Zeit zu verlieren und müssen in den festgelegten Schritten vorankommen." Das dürfe aber nicht zulasten der Beteiligung und der Qualität gehen.

Auch Granit geeignet für Endlager

Zu der Frage nach geeigneten Standorten sagte König, dass es noch keine Vorentscheidung für Niedersachsen gebe, auch wenn eine Endlagerung in fast 80 Prozent des Landes mit seinen Ton- und Salzvorkommen möglich wäre. Durch das Standortauswahlverfahren sei schließlich auch kristallines Gestein, Granit also, mit in die Betrachtung einbezogen worden, "was bekanntermaßen in Bayern und Sachsen vorkommt und, wie wir hören, nicht nur Begeisterung ausgelöst hat". Der umstrittene Salzstock in Gorleben war aus dem weiteren Suchverfahren überraschend ausgeschieden.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 07.08.2021 | 10:00 Uhr

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