Stand: 15.05.2018 20:56 Uhr

Ein Dorf für Hitzacker: Betriebe sehen Bedrohung

Die einen nennen es ein Dorf der Zukunft, die anderen sprechen verächtlich von einem Öko-Dorf. Die Meinungen über ein geplantes alternatives Wohnprojekt im Landkreis Lüchow-Dannenberg gehen stark auseinander. Hitzacker/Dorf soll für zunächst 300 Menschen eine alternative Siedlung sein, auf fünfeinhalb Hektar Wiese am Stadtrand von Hitzacker. Auf Initiative einer Genossenschaft soll hier viel Neues ausprobiert werden, im Zusammenleben mit Flüchtlingsfamilien, aber auch von Jung und Alt. Das erste von 30 Häusern ist derzeit im Bau. Doch wie NDR 1 Niedersachsen berichtet, sind die Pläne nicht wenigen der künftigen Nachbarn ein Dorn im Auge. Zwei angrenzende Betriebe haben Widerspruch gegen die Baugenehmigung eingelegt.

Der Traum vom anderen Wohnen

Unternehmer: Im Zweifel existenzgefährdend

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Plan für Hitzacker/Dorf

So stellt sich die Genossenschaft ihr Hitzacker/Dorf vor: der Plan zum Download. Download (4 MB)

Nach Angaben von Ralf Prahler, der nebenan von dem geplanten Dorf eine Maschinenbaufirma hat, fühlen sich mehrere Firmen in ihrem Betrieb eingeschränkt. Denn künftig müssen sie nachts leiser arbeiten. Einer der Betriebe habe sich eigentlich erweitern wollen und überdenke dies nun, sagte Prahler NDR 1 Niedersachsen. Der Standort stehe sogar ganz auf der Kippe. Prahler selbst fürchtet, dass er in ein paar Jahren für seine Firma keinen Käufer findet. "Wer will einen Betrieb übernehmen, der neben einem Öko-Dorf liegt? Das klappt vorne und hinten nicht. Im Zweifelsfall könnte das existenzgefährdend sein", sagte Prahler. Er kritisiert, die Initiatoren des Wohnprojekts seien nicht bereit umzuplanen.

Auch die Bewohner einer nahen Siedlung sind wütend und haben Unterschriften gesammelt. Einige fürchten Lärm - andere wollen nicht, dass auch Flüchtlinge ins Dorf ziehen.

Genossenschaft: Nachbarn sollen Vorteile sehen

Der Ärger mit den Gewerbenachbarn habe den Baubeginn im Dorf ein Dreivierteljahr verzögert, sagte der Sprecher der Dorf-Genossenschaft, Thomas Hagelstein gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Er hofft, dass sich der Kontakt zu den Nachbarn verbessert, wenn das Dorf erst mal bewohnt ist. Und dass sie dann auch die Vorteile sehen, die das Projekt insgesamt für Hitzacker bringe: "Hitzacker ist klamm. Hitzacker hat unter 5.000 Einwohner, ist kein Mittelzentrum, dadurch siedeln sich bestimmte Betriebe nicht an. Wir haben mit Leerstand zu kämpfen, wir haben mit einer Überalterung zu kämpfen. Und je mehr Leute hierherkommen, umso mehr Geld bleibt hier hängen. Die bringen wir jetzt hierher", sagte Hagelstein.

Genau das hofft der Stadtrat von Hitzacker, der das Projekt von Anfang an mit breiter Mehrheit unterstützt hat. Die Widersprüche liegen nun zur Prüfung beim Landkreis Lüchow-Dannenberg. Eine aufschiebende Wirkung haben sie nicht, die Bauarbeiten gehen erst mal ungehindert weiter.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 14.05.2018 | 17:00 Uhr

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