Stand: 23.08.2017 10:03 Uhr

Dömitzer Eisenbahnbrücke soll Attraktion werden

Für die einen ist es ein Haufen Schrott, für andere ein Stück Kulturgeschichte. Die alte Dömitzer Eisenbahnbrücke ist ein stummer, zerstörter Zeuge deutscher Geschichte. Wenige Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs warfen alliierte Bomber ihre explosive Fracht auf die Elb-Querung. Aufgebaut wurde sie nach dem Krieg nicht mehr. Warum auch? Hätte sie doch West und Ost in der Zeit des Kalten Krieges verbunden. Toni Bienemann, ein Niederländer, sieht noch mehr in dem Bauwerk. Der Unternehmer sammelt Industrie-Denkmäler. Vor sieben Jahren hat er die verwaiste Brücke bei Dannenberg gekauft - für mehr als 300.000 Euro. Das Geld für die Sanierungsarbeiten kommt überwiegend aus öffentlicher Hand. Am Dienstag gab die Deutsche Stiftung Denkmalschutz 100.000 Euro.

12.000 Steine müssen neu gesetzt werden

Zu Beginn des Jahres hatte der Unternehmer bereits von einem Denkmalschutz-Programm der Bundesregierung profitiert. Insgesamt sind bis jetzt mehr als 400.000 Euro öffentliche Gelder in das Sammlerstück des Millionärs geflossen. Er selbst trägt knapp 50 Prozent der anfallenden Kosten für die Instandhaltung. Derzeit arbeiten Handwerker daran, die zwei historischen Kopftürme der Brücke zu restaurieren. Rund 12.000 Steine müssten dafür neu gesetzt werden, erklärt Architekt Ralf Pohlmann.

Karte: Eisenbahnbrücke soll Touristen anziehen

Mit bloßem Auge ist kaum zu erkennen, was sich an der Brücke bisher verändert hat. "Die größte Herausforderung ist eigentlich, dass dieses sehr stark geschädigte Bauwerk hinterher nicht viel anders aussehen soll als in seinem historischen Zustand", sagt Pohlmann. "Wenn es nachher aussieht wie eine bunte Kuh, dann ist irgendetwas falsch gewesen."

Denkbar: Ein "Skywalk" wie in New York

Die Brücke war 1873 eröffnet und knapp drei Wochen vor der Kapitulation der Nationalsozialisten zerstört worden. Seitdem endet sie auf der niedersächsischen Seite der Elbe. Wenn die dringendsten Sanierungsmaßnahmen abgeschlossen sind, will sich Bienemann dem knapp 600 Meter langen Stahlgerüst zuwenden. Und er hat große Pläne: Denkbar wäre etwa ein "Skywalk", wie es ihn auch in New York und Paris gibt. "Vorne die Elbe sehen, bei Hochwasser die Eisschollen und im Sommer die Natur und die Vögel beobachten." Von dem "Skywalk" soll also auch der Tourismus in der Region profitieren. Politiker im Wendland sprechen schon von einer Attraktion. Bienemann selbst rechnet damit, dass sein Projekt mindestens eine Million Euro kosten wird. Wie das finanziert werden soll, wussten am Dienstag aber weder der Besitzer noch die Politiker. Man wolle einen Schritt nach dem anderen machen, hieß es.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 22.08.2017 | 17:00 Uhr

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