Digitales Gedenken 76 Jahre nach Befreiung von Bergen-Belsen

Stand: 15.04.2021 21:30 Uhr

An die Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen (Landkreis Celle) ist am Donnerstag digital erinnert worden. Vor 76 Jahren hatten britische Soldaten das Lager erreicht.

Die britischen Truppen befreiten am 15. April 1945 das von der SS betriebene Lager in der Lüneburger Heide, wo Hunderttausende Qualen erlitten hatten. Die Schreckensbilder der Verbrechen der Nationalsozialisten gingen anschließend um die Welt. Auf der Internetseite der Gedenkstätte berichten unter anderem Jugendliche von ihren Treffen mit Überlebenden. Ursprünglich wollten sich schon 2020 zum 75. Jahrestag rund 100 ehemalige Inhaftierte aus der ganzen Welt zu einer Gedenkveranstaltung in Bergen-Belsen treffen. Sie fiel infolge der Corona-Pandemie aus.

Tonne prangert "Geschichtsrevisionismus" an

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) beklagte in seiner Rede zur Gedenkfeier, das im Zuge der Corona-Pandemie bei "Querdenker"-Demonstrationen Verschwörungsfantasien geäußert würden, die häufig antisemitisch oder rassistisch konnotiert seien. Manche würden dabei die menschenverachtende NS-Diktatur verharmlosen. "All das muss uns hellhörig machen und erfordert zugleich unser entschlossenes Handeln gegen Hass, Hetze und Geschichtsrevisionismus und für ein gutes demokratisches Miteinander in unserer vielfältigen Gesellschaft", sagte Tonne.

Gryglewski kritisiert Corona-Vergleiche mit Nazi-Zeit

Gedenkstättenleiterin Elke Gryglewski hatte bereits im Vorfeld von der Politik gefordert, deutlicher gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus Stellung zu beziehen. Es sei sehr besorgniserregend, dass es Teilnehmern von Protesten gegen staatliche Corona-Maßnahmen nichts ausmache, dass auch rechtsextreme Gruppen diese Demonstrationen begleiteten. "Das ist etwas, was man mit großer Aufmerksamkeit verfolgen muss, um zu sehen, wohin sich das entwickelt", sagte Gryglewski. Die 55-Jährige kritisierte unangemessene Vergleiche der Corona-Beschränkungen mit der Judenverfolgung im Nationalsozialismus. "Man sollte mit der jüdischen Community in Verbindung treten, was es für sie bedeutet, dass bei den Demonstrationen Davidsterne angeheftet werden", sagte Gryglewski.

Kinder im KZ sind Thema einer Ausstellung in Lüneburg

Am Freitag wird außerdem eine Sonderausstellung mit dem Titel "Kinder im KZ Bergen-Belsen" im Museum Lüneburg digital eröffnet. Sie beschäftigt sich mit den Schicksalen der jüngsten Inhaftierten. Unter den Häftlingen im damaligen KZ waren rund 3.500 Kinder, die jünger als 15 Jahre alt waren.

15. April 1945 - das Ende des Lagers

Ein Panzer steht auf einem Weg. © Imperial War Museum
Das Konzentrationslager in Bergen-Belsen wurde am 15. April 1945 befreit. (Archivbild)

Im Konzentrationslager Bergen-Belsen starben in der NS-Zeit insgesamt mehr als 52.000 KZ-Häftlinge und 20.000 Kriegsgefangene. Am 15. April 1945 befreiten britische Truppen das Lager. Sie fanden Tausende unbestattete Leichen und Zehntausende todkranke Menschen vor.

Zum 75. Jahrestag im vergangenen Jahr blickte NDR.de auf die Stunden vor und nach der Befreiung des Lagers und zeichnete nach, wie aus dem Bäcker Adolf Haas der erste KZ-Kommandant des Lagers wurde. Seine Spur verlor sich in den Wirren des Kriegsendes.

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Angehöriger der ehemaligen Wachmannschaft des KZ Bergen-Belsen vor einem Lastwagen mit Leichen nach der Befreiung des Lagers am 15. April 1945. © picture-alliance / akg-images Foto: akg-images

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NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 14.04.2021 | 06:30 Uhr

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