Stand: 17.01.2017 09:54 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Buxtehuder Kakerlaken-Haus : Kein Ende in Sicht?

von Karin Hansen

Anfang Juli 2016 schlagen die Bewohner eines zwölfstöckigen Hochhauses in Buxtehude Alarm. Der Grund: Kakerlaken. Schock und Ekel sind groß. Die Schädlinge würden in Kinderbettchen, Küchenschränken oder Schubladen sitzen, heißt es. Die meist polnischsprachigen Mieter wenden sich an die ebenfalls polnisch sprechende Sylvia Köhnken aus Buxtehude, die für die CDU im Buxtehuder Stadtrat sitzt. Köhnken soll für die Mieter dolmetschen. Als Sprachrohr für die Mieter schaltet sie das Gesundheitsamt in Stade ein. Noch im Juli schickt das Gesundheitsamt Experten, die in der Tat einen "massiven Schabenbefall" feststellen. Der Vermieter wird verpflichtet, die Schädlinge mithilfe einer Fachfirma auszumerzen. Die Bekämpfung läuft an, das Gesundheitsamt hat ein Auge drauf. Doch jetzt, gut ein halbes Jahr später, sieht es offenbar nicht besser aus als im Juli, beklagt Köhnken.

Kakerlaken plagen Buxtehuder Hochhaus

Dreckiger Müllschacht als Ursache?

Wieder wird sie von den Mietern angesprochen. Köhnken besucht einige Wohnungen und findet tote Schaben, etwa 15 bis 20 pro Wohnung. Die lebenden würden sich laut Köhnken gerade jetzt im Winter gut verstecken und erst bei Dunkelheit aus ihren Ecken kriechen. Es sei widerlich, sagt sie - und es würde nicht an der Hygiene der Mieter liegen. Die Wohnungen seien meist gepflegt und sauber. Ursache für den Schabenbefall könnte nach Angaben der im Sommer beauftragten Schädlingsbekämpfungsfirma der Müllschacht sein. Nach Informationen der Mieter sei dieser seit Jahren nicht gereinigt worden. Aus dem Schacht kann das Ungeziefer ungehindert in jedes Stockwerk klettern und sich dort breit machen.  

Nur drei Einsätze gegen die Kakerlaken

Für Köhnken ist es ein Skandal, dass die Schädlinge noch immer nicht beseitigt wurden. Sie macht den Vermieter dafür verantwortlich. Er habe den Kammerjäger nur drei Mal kommen lassen, das sei eindeutig zu wenig gewesen. "Der Vermieter hatte uns nur für drei Einsätze bestellt. Folgeaufträge gab es nicht", sagt der zuständige Sachbearbeiter der Firma dem NDR. Seiner Meinung nach wären Folgeaufträge nötig gewesen, denn Schaben gehörten zu den widerstandsfähigsten Tieren der Erde.

Gesundheitsamt spricht von Verschleierung

Anfang des Jahres nun wurde dem Gesundheitsamt bekannt, dass die Schädlingsbekämpfungsfirma nicht mehr für den Vermieter arbeitet. Nun ist auch Nicole Streitz, Dezernentin des Gesundheitsamts, entsetzt. Offenbar war der Kammerjäger zuletzt im September vor Ort. Das Gesundheitsamt hatte alle paar Wochen E-Mail-Kontakt mit der Wohnungsverwaltung, sagt Streitz. Aus den E-Mails ging hervor, dass der Vermieter und die Schädlingsbekämpfungsfirma weiter zusammenarbeiten würden. Aber so, wie es nun aussieht, war dies nicht der Fall. Streitz spricht von Verschleierung. Der Vermieter habe das Amt offenbar Glauben machen wollen, dass er die Kakerlaken ausmerzen lassen würde. Ende des Jahres fielen dem Amt jedoch Unstimmigkeiten in den E-Mails auf. Streitz sprach direkt mit dem Kammerjäger. Dieser gab an, dass er seit Monaten nicht mehr für den Vermieter arbeiten würde. Damit der Vermieter endlich handelt, hat er vom Gesundheitsamt ein Zwangsgeld auferlegt bekommen. Wenn er nichts tut, folge ein zweites in "empfindlicher Höhe", sagt Streitz.

Kosten für 74 Wohnungen: 35.000 Euro

Dass nun etwas passiert, mag Köhnken nicht so recht glauben. Sie vermutet, dass der Vermieter dennoch nicht handeln wird. Ihrer Erfahrung nach setze er darauf, dass die meist ausländischen Mieter sich nicht wehren würden. Einige seien schon unter Druck gesetzt worden, sagt sie, darum durfte auch der NDR keine neuen Fotos mehr machen. Die Bewohner wollten laut Köhnken mit ihren Beschwerden unerkannt bleiben. Dem Vermieter sei der Schabeneinsatz vermutlich zu teuer. Ein Wohnhaus mit 74 Wohnungen von Kakerlaken zu befreien, kann laut der Schädlingsbekämpfungsfirma bis zu 35.000 Euro kosten.

Vermieter will sich nicht äußern

Die Politikerin hat außerdem noch eine ganz andere Sorge. Die Bewohner könnten Eier der Kakerlaken unter den Schuhen nach draußen tragen. Zum Beispiel zum Arbeitsplatz oder in die Schulen. Diese Sorge teilt das Gesundheitsamt allerdings nicht. Ende des Sommers hatten Experten umliegende Gebäude nach Kakerlaken durchsucht und nichts gefunden. Der Vermieter ist - wie schon im Sommer - für den NDR nicht zu sprechen. "Wir sagen dazu nichts und wünschen noch einen schönen Tag", hieß es. Dann wurde der Hörer aufgelegt.

Weitere Informationen

Kammerjäger im Einsatz im "Kakerlaken-Hochhaus"

Kammerjäger haben am Montag mit der Kakerlaken-Bekämpfung in einem Buxtehuder Hochhaus begonnen. Fündig wurden sie zunächst in sieben von zwölf Etagen. Weitere Einsätze sind geplant. (04.07.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.01.2017 | 18:00 Uhr

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