Stand: 19.06.2019 06:30 Uhr

Bremsklotz Hurricane - Tempolimit sorgt für Ärger

von Eva Schulze-Gabrechten
Auf der Landstraße sind ab Freitag wieder zehntausende Festivalbesucher unterwegs.

"Wir haben die längste 20er-Zone in Norddeutschland!", schimpft Ralf Jürges. Der parteilose Bürgermeister der Ortschaft Westervesede (Landkreis Rotenburg) ist sauer. Grund für seinen Ärger: Ein Tempolimit von 20 Stundenkilometern auf der Westerveseder Landstraße, über das die Kreiszeitung bereits berichtete. Dabei ist eine zeitweise Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Landstraße nichts Neues: Alle Jahre wieder müssen Autofahrer zwischen Westervesede und Scheeßel ab Juni in die Eisen steigen. Denn mitten auf der Strecke liegt das Hurricane-Festivalgelände. Sonst dürfen Autofahrer auf der Landstraße 100 fahren. Das würde die Auf- und Abbauarbeiten für das Mega-Musikevent aber unmöglich machen. "Das Tempolimit an sich ist auch kein Problem. In den letzten Festivaljahren hieß es: Tempo 50 ab Ortsausgang, direkt am Festivalgelände dann nochmal runter auf 30 - das war für alle in Ordnung", so Jürges.

Tempo 20 über vier Kilometer

In diesem Jahr macht aber gleich ein doppelter Bremsklotz dem Bürgermeister und vielen Anwohner zu schaffen: Die Höchstgeschwindigkeit für die Landstraße wurde erstmals auf 20 Stundenkilometer gesenkt. Und während Einschränkungen in den Vorjahren immer nur für Teilabschnitte galten, ist in diesem Jahr die gesamte Strecke betroffen. Das heißt: Vier Kilometer lang Schleichtempo, für insgesamt sechs Wochen. Bürgermeister Jürges hält diese Regelung für überzogen. Und auch viele Anwohner machen ihrem Ärger Luft: "Gerade für Menschen, die diese Strecke täglich fahren müssen, ist dieser Blödsinn einfach nur frustrierend!", so ein Westerveseder auf Facebook. "Unfassbar. Ab nächstem Jahr dann wohl Schrittgeschwindigkeit!", meint eine andere Userin.

Grund für das Tempolimit: Schutz von Arbeitern

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Stein des Anstoßes: Die aktuell erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 20 Kilometer pro Stunde zwischen Westervesede und Scheeßel.

Dabei können die meisten den Grund für die Geschwindigkeitsbegrenzung nachvollziehen. Der Landkreis Rotenburg hat das Tempolimit nämlich angeordnet, um Arbeiter, die Bauzäune entlang der Strecke aufstellen, verstärkt zu schützen. Im vergangenen Jahr galt zu ihrer Sicherheit bereits Tempo 30 rund um den Eichenring, auf dem das Hurricane-Festival stattfindet. Da es in den vergangenen Monaten jedoch bundesweit vermehrt zu schweren oder sogar tödlichen Verkehrsunfällen mit Straßenarbeitern gekommen sei, habe man sich in diesem Jahr für eine weitere Verschärfung des Tempolimits entschieden, so das Straßenverkehrsamt.

Karte: Vom Tempolimit betroffene Landstraße

Bürgermeister Jürges kann das nicht überzeugen: "Das erklärt nicht die Geschwindigkeitsbegrenzung für die gesamte Strecke. Hinter dem Ortsausgang werden beispielsweise gar keine Bauzäune aufgestellt, und danach nur entlang eines Radweges - da könnten allenfalls Fahrradfahrer die Arbeiter gefährden." Der Landkreis bleibt dabei: Die nun gewählte Lösung sei erforderlich. Den Ärger der Anwohner könne man aber verstehen.

Festivalbesucher nicht betroffen

Die versöhnliche Nachricht: Spätestens Anfang Juli ist der Spuk wieder vorbei. Dann wird das Tempolimit laut Straßenverkehrsamt aufgehoben. Die Festivalbesucher sind vom Tempo-20-Trubel übrigens nicht betroffen: Die Zufahrt zu den Park- und Campingplätzen erfolgt über andere Straßen. Und die Westerveseder Landstraße wird zum Festival selbst ab Donnerstag sowieso komplett gesperrt. Auf ihr pendeln dann bis Sonntag rund 60.000 Festivalbesucher zwischen Bühnen und Campingplätzen - zu Fuß, versteht sich.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 18.06.2019 | 17:00 Uhr

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