Stand: 03.05.2018 15:43 Uhr

Berufung im "Gaffer-Prozess": Zeugen vernommen

Rund ein Jahr nach dem Urteil gegen drei mutmaßliche Gaffer bei einem tödlichen Unfall in einer Eisdiele in Bremervörde hat vor dem Landgericht Stade das Berufungsverfahren begonnen. Neu verhandelt wird die Rolle von zwei der drei noch nicht rechtskräftig verurteilten Brüder. Der Berufungsantrag des dritten Mannes, einem 37-Jährigen, wurde von der zuständigen Kammer abgelehnt worden, wie ein Gerichtssprecher NDR.de sagte. Zum Auftakt des Berufungsverfahren am Donnerstag wurde nach Gerichtssprecher-Angaben das Urteil des Amtsgerichts Bremervörde verlesen und mehrere Zeugen vernommen. Bis zum 24. Mai sind drei weitere Verhandlungstermine vorgesehen.

Vier Monate Haft für Hauptangeklagten

Das Amtsgericht Bremervörde hatte die drei Männer, die heute 21, 28 und 37 Jahre alt sind, im April 2017 verurteilt. Der 28-jährige Hauptangeklagte erhielt damals eine Freiheitsstrafe von vier Monaten ohne Bewährung wegen Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Die beiden anderen wurden zu Geldstrafen von 100 beziehungsweise 150 Euro verurteilt. Niedersachsen hatte nach den Vorgängen eine Bundesratsinitiative gestartet, um Gaffer schärfer zu bestrafen. Der Prozess schließlich hatte bundesweit zu Debatten über härtere Strafen für Gaffer geführt.

Angeklagte beteuern Unschuld

Die drei Brüder sollen im Juli 2015 nach dem Unfall in der Eisdiele die Rettungskräfte behindert haben. Sie sollen unter anderem in Rangeleien verwickelt gewesen sein, bei denen Polizisten und ein Feuerwehrmann verletzt wurden. Zudem sagte ein Polizist aus, der Hauptangeklagte habe die Rettungsarbeiten mit seinem Handy gefilmt. Dieser Vorwurf konnte nicht zweifelsfrei bewiesen werden, führte aber zur Bezeichnung "Gaffer-Prozess". Die Angeklagten beteuerten während des gesamten Prozesses ihre Unschuld. Ihre Verteidiger, die auf Freispruch plädierten hatten, waren am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Bewährungsstrafe für Unfallverursacherin

Der Unfall, bei dem ein Mann und ein Kind starben, war durch eine 59-jährige Frau verursacht worden. Sie hatte beim Autofahren einen epileptischen Anfall erlitten, weil sie ihre Medikamente nicht eingenommen hatte. Im März 2017 wurde die Frau zu einer 14-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Sie starb kurz darauf eines natürlichen Todes.

Weitere Informationen

Vier Monate Haft im "Gaffer-Prozess"

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 03.05.2018 | 17:00 Uhr

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