Stand: 03.06.2013 14:48 Uhr

Bahn bedauert Unglück von Eschede zutiefst

Bild vergrößern
Auf den Granitstelen sind die Namen der 101 Toten verewigt.

Mehrere Minuten lang hat Bahnchef Rüdiger Grube fast regungslos vor der Gedenkstätte in Eschede gestanden. 101 Menschen waren vor 15 Jahren, am 3. Juni 1998, bei der größten Zugkatastrophe in der Geschichte der Deutschen Bahn gestorben, als der ICE 884 "Wilhelm Conrad Röntgen" aufgrund eines Radschadens entgleiste und bei Tempo 200 gegen eine Brücke raste. Ihre Namen sind auf Granitstelen verewigt. Hier legte Grube einen Kranz mit weißen Rosen nieder. In seiner anschließenden Rede entschuldigte sich der Bahnchef bei den Angehörigen und Überlebenden für die Katastrophe. "Wir bedauern die Geschehnisse von einst zutiefst", sagte Grube. Man könne den Unfall nicht ungeschehen machen, aber die Bahn wolle sich für das entstandene menschliche Leid entschuldigen - und das aus tiefstem Herzen. "Wir möchten Sie bitten, die Entschuldigung anzunehmen", sagte Grube.  

Bahn-Chef Rüdioger Grube im Gespräch mit Hinterbliebenen des Zugunglücks von Eschede.

Eschede: Entschuldigung ja, Versöhnung nein

Hallo Niedersachsen -

Zum 15. Jahrestag der ICE-Katastrophe von Eschede hat sich die Deutsche Bahn erstmals bei Opfern und Hinterbliebenen entschuldigt. Auf einer Gedenkfeier wurde der Toten gedacht.

3,67 bei 3 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

15 Jahre warteten Hinterbliebene auf Entschuldigung

Grube ist der erste Bahnchef, der zu dem Jahrestag eingeladen wurde. Bis zum heutigen Tag hatte sich kein Verantwortlicher der Deutschen Bahn bei den Hinterbliebenen und Überlebenden des Zugunglücks entschuldigt. Lediglich schriftlich hatte die Bahn ihr Beileid ausgesprochen und mehr als 30 Millionen Euro Entschädigung für medizinische Behandlung, Unterhalt und Ausbildung gezahlt. Grubes Entschuldigung war nun für die Angehörigen eine späte Wiedergutmachung. "Auf dieses Zeichen der Menschlichkeit haben wir lange gewartet", sagte Heinrich Löwen, Sprecher der "Selbsthilfe Eschede". Grube und die Deutsche Bahn sollen das Unglück als ständige Mahnung betrachten, dass die Sicherheit im Bahnverkehr Vorrang vor allen anderen Belangen haben müsse. Löwen verlor bei dem Unglück seine Frau und seine Tochter.

Verfahren gegen drei Angeklagte eingestellt

Die Bahn hatte eine Entschuldigung bislang aus juristischen Gründen vermieden. Zwei leitende Bahnmitarbeiter und ein Ingenieur des Radreifenherstellers mussten sich wegen fahrlässiger Tötung von 101 Menschen und Körperverletzung von 105 Menschen vor Gericht verantworten. Ihnen wurde zur Last gelegt, die Räder des Unglückszuges nicht ausreichend untersucht zu haben. Das Verfahren war 2002 gegen Zahlung von jeweils 10.000 Euro eingestellt worden. Löwen wirft der Justiz klägliches Versagen vor. "Die Einstellung des Verfahrens war das bitterste Kapitel nach dem Unfall selbst." Er begrüßte aber die inzwischen größere Offenheit für die Anliegen der Hinterbliebenen. Mit seiner Geste habe Grube Verantwortung übernommen.

"Neue Gedenkstätte ein guter Ort zur Verarbeitung"

Zur Verarbeitung des tragischen Unglücks werde auch die neugestaltete Gedenkstätte beitragen, sagte Löwen. Diese sei ein würdiger Ort, um an die 101 Toten zu erinnern. Die vom Verfall bedrohte Wand mit den Namen der Getöteten war auf Kosten der Bahn gegen beständige Granitstelen ausgetauscht worden. "Das neue Material, echter Granit, erkennt an, dass die Narben, die das Unglück verursacht hat, auch nicht verschwinden werden", sagte Grube in seiner Rede. Eine Hainbuchenhecke soll künftig außerdem als Sichtschutz zu den benachbarten Gleisen dienen. Während der Gedenkfeier drosselten die vorbeifahrenden Züge ihr Tempo auf 30 Stundenkilometer, um die Angehörigen, Überlebenden, Helfer und Anwohner nicht bei der Gedenkfeier zu stören.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.06.2013 | 14:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

01:21
Niedersachsen 18.00

NDR Radiophilharmonie: Manze dirigiert weiter

22.02.2019 18:00 Uhr
Niedersachsen 18.00
01:54
Hallo Niedersachsen

Sexueller Missbrauch in Lüdge: Beweise sind weg

21.02.2019 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
03:27
Hallo Niedersachsen

Große Bus- und Lkw-Kontrollen auf der A7

21.02.2019 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen